Skip to main content

Full text of "Die Sündflut: Nebst drei anderen der wichtigsten Episoden des Mahâ-bhârate"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



JT/"^! i t-t^r r} . 



# 



' RBNRT 'WABB "WAIiBS, M. D., 



occived 22 October. 







^sx . *_^::f^tyZ/c-. ( ^ip. // ^- ro) 



<■' 






- V^^.' /ivr/. . ^«^'//jL'/l , <>/' 






/z/> « /o.y;. 



Q 

Die 



Sündflut 



nebst 



drei anderen der wichtigsten Episoden 

des Mahd'Bliärata. rJ^dcTc^/:^^ 



Aus der Ursprache übersetzt 

von 

ordentlkhem ProfeMor ond Mitgliede der Königlich Prenfiiiclw 

Aliadiemie der Witseiuchaften sa Berlin, des Königl. NiederliadiMbeo 

InstitntB tv Anuterdam und der Asiatischen Gesellschaften 

SU Paria nnd London« 



^Berlin. 

Gedruckt in der Druckerei der Königlichen 
Akademie der Wissenschaften. 

1829. 



Bei Ferdinand Dümmler. 






/ 






/ 



t 



Einleitung. 



Die Geschichte von einer allgemeinen 
Erdiiberschwemmung, wie sie im Mahor 
Bhdrata und mehreren anderen indi- 
schen Schriften erzählt wird, bietet eine 
unverkennbare iwd höchst merkwürdige 
tjl>ereimtimmung mit der mosaischen 
Überlieferung von der Siindflut dar. 
Nur darf man an der äufserlichen Gestalt 
und Färbung, welche die das Wunder- 
bare liebende indische Phantasie diesem 
weitverbreiteten ür- Mythos gegeben 
hat*), keinen zu grofsen Anstofs neh- 
men. Entkleidet man die hier zum 



*) Wir verweisen auf Buttmanns treffliche Ab- 
handlung über diesen Gegenstand^ worin jedoch der 
indischen Sage keine Erwähnung geschieht. 



a* 



IV 



erstenmal in eine europäische Sprache 
übersetzte Episode des Mahd^Bharata 

ihrer, d?r indischen Anschauungs- und 

-^ •• _ • 

Darstellungsweise angemessenen, Über- 
treibung und inneren Widerspruch nicht 
ausschliefsenden, aber dennoch grofs^ 
artigen Umhüllung', so bleibt folgendes 
die nackte Erzählung: y^Bi^^ni frommen 
Könige, genannt ManuSy erschien der 
Herr der Geschöpfe {pradscha - patis) 
Brahma, das höchste Wesen*), verkün- 
dete ihm die bevorstehende alles vertu- 
gende Überschwemmung, befahl ihm 
ein Schiff zu bauen und es in der Zeit 
der Gefahr zu besteigen, und die Samen 
aller Art, wie sie immer genannt wür- 
den, wohl von einander abgesondert mit- 
zunehmen. Manus gehorchte dem Be- 
fehl der Gottheit, brachte alle Samen 
in ein Schiff, welches er dann selbst 
bestieg. Das Schiff aber, von der Gott- 

*) Er sagt Ton sich selbst in der Episode „Hö- 
heres als ich gibt es nichts^*. 



heit geleitet, ^hwamm viele Jahi^ auf 
dem Meere, bis es endlich auf des Berges 
Himawan höchstem Gipfel sich nieder- 
liefs, wo es auf den Befehl der Gottheit 
festgebunden wurde. Dieser Gipfel wird 
darum heute noch Nau - Bandhanam 
(Schiffs -Binden) genannt, und von Ma- 
;27i^ stammt das erhaltene Menschenge- 
schlecht ab.*' 

Diejenigen, welche mit indischen Sa- 
gen nur irgend-bekannt sind, wird es 
nicht befremden, dafs die nachfolgende 
Episode den Manus nicht blos als Er- 
halter lind Fortpflanzer des Menschen- 
geschlechts darstellt, sondern dafs sie, 
im Ergufs einer zügellosen Phantasiej 
ihn auch Götter (d. h. die unteren) und 
Asnren^ alles Lebende und Leblose, Be- 
wegliche und Unbewegliche auf überna- 
türliche Weise hervorbringen läfst; wenn 
gleich nicht berichtet wird, dafs auch die 
alten Götter in der Überschwemmung 
untergegangen^ Der Grundgedanke der 



VI 



I 

Sage ist jedoch nur^ dafs Manus der 
Stammvater des neuen Menschenge- 
schlechts sei; da sie ihn ähev einmal ds 
Urvater bezeichnet, so setzt sie ihm in 
seiner HervQrbringung keine Gränze, 
und in einem kühn entworfenen Bflde 
drängt sie alle ^ich darbietende Begriffe 
und Worte zusammen, um den Erhalter 
des Menschengeschlechts würdig zu ver- 
herrlichen. Auch muthet die mit Fabel- 
haftem so reichlich ausgestattete Erzäh- 
lung dem Manus nicht zu, dafs er auf 
natürlichem Wege sich als Urvater des 
neuen Mensche]:igeschlechts zeige, sie 
läfst Fr^u und Kinder, die er vor der 
Überschwemmung schon haben mochte, 
ganz im Hintergrunde, imd gibt ihm in 
seinem Schiffe blos die sieben Bischi^s 
oder heiligen Weisen, zu Begleitern. 
Die sieben Weisen sind in der indischen 
Mythologie mehr göttUcher als mensch- 
licher Natur, und thun daher der Ein- 
heit d^s geretteten Menschen wenig Ab- 



VII 



y 



!••••••• 



brach. Sie sind sogar als Söhne Brak* 
mffs von älterer Herkunft als die unteren 
Götter und deren Feinde die Asuren 
oder Titanen der indischen Mythologie. 
Einer der sieben Weisen, nämlich Ma- 
rüschis ist Vater des Kasjapas^ der mit 
seinem Weibe jiditi die Götter und mit 
Diti die Aswen zeugte, die nach dem 
Namen ihrer Mutter auch Daitja's und 
DaitSja's heifsen, oder nach Danuy wie 
es scheint ein Beiname der Diti^ Da- 



nawa's. 



Auch die classische Sprache der In- 
dier hat dem merkwürdigen EreignÜs 
der allgemeinen Erdüberschwemmung, 
aus welcher Manus sich rettete, ein un- 
verkennbares Siegel aufgedrückt, aber 
nicht jibertreibend, wie dip Erzählung, 
sondern in der wahren Gränze sich hal- 
tend, und nicht Götter und Asivren son- 
dern nur die Menschen als Abkömm- 
linge Manus bezeichnend: Man findet 
nämlich sehr häufig die Menschen Manvr 



VIII 

dschas d* h. illf^7/^^^ -geboren genannt*), 
und auch die einfachen mit unserer 
deutschen Benennung des Menschen so 
auffallend übereinstimmenden Wörter 
manuscfuis und nianuschpis stehen eben- 
falls in genauem Zusammenhang mit 
manuj wenn sie sich gleich nicht auf 
ganz regelmäfsige Weise davon ableiten 
lassen. Ausserdem entspring noch aus 
dem Wortstamme manu das Patrony- 
micum manawaSy Mensch, Mann, im 
Femininum mänawi Frau, gerade wie 
die Asuren nach ihrer Stamm -Mutter 
DanUy Dänawa's genannt werden, im 
Femininum Ddnawt. 

William Jones hat in den Asiati- 
schen Untersuchtmgen zuerst den Indi- 
schen Mythos von der Sündflut in einer 
Englischen Übersetzung bekannt ge- 
macht, aber aus einer trüberen Quelle 
al^ diejem'ge ist, welchd ich durch den 

*) Das s in Manus ist Nominativ -Zeichen» 
und Manu der Wortstamm. 



IX 



Maha-Bhärata vor mir habe, nämlich 
aus dem BMgawata- Purana.*) Die 
Puräna's und das eben genannte Epos 
werden zwar von de/i Eingeborenen ei- 
nem und demselben Verfasser zuge- 
schrieben, nämlich dem, der vorhistori- 
schen Zeit angehörenden fVjäsasj allein 
unter den Gelehrten ist jetzt allgemein 
das den Purdna s weit voranstehendc 
hohe Alter des Mahd^Bharata aner- 



'^) JovJLS scheint aber die von ihm mitgetheilte 
Stelle aus dem Persischen und nicht aus dem Urtexte 
übersetzt zu haben. Er sagt zwar Bd. i. S.230. der 
Londoner Ausgabe: ^^The Jbllowing narrative of 
the principal everU qf his {des Manus) life I have 
lUeralljr translated front tJie Bhägawat; and it is 
ihe subjßct qfthefirst Purdna entitled i/iat oftke 
Matsjra or Fish'*. Dafs aber die hier erwähnte 
wörtliche IJbersetzung nicht aus dem Sanskrit son- 
dern aus dem Persischen gemacht sei, mufs man 
daraus schliefsen,dafs Jones später, bei einer anderen 
Gelegeqfkeit, in derselben Abhandlung sagt: ^ylndeed^ 
if we can rely on a Persian translation of the 
Bhdgawat {Jbr the original is not yet in mjr poS" 
Session) the Sovereign qfPdtäla, or the Infernal 
Regions, is the King of Serpents, named Sesha» 
/t4gra"(l.c.S.249.). 



/ 



kannt. Und wäre dies nicht der Fall, so 
würde es an innerer Beweiskraft nicht 
fehlen, welche die Sage von der Sünd- 
flut, wie sie im Mahd-Bhärata vorgetra- 
gen wird, weit über die Zeit der Abfas- 
siing ^er j&M^aH^^to- Erzählung hin- 
ausrückte. 

In beiden Urkunden ist es in Gestalt 
eines Fisches, dafs Gott ^emManus er- 
scheint, ihm die bevorstehende allge- 
meine Überschwemmung verkündet und 
ihn auffordert, alle Samen mit sich neh- 
mend, mit den sieben Rischis ein Schiff 
zu besteigen und auf dem Ocean seiner 
ferneren Erscheinung und Hülfe entge- 
gen zu sehen. Der Verfasser des Bhä- 
gawatam leitet aber seine Erzählung (als 
fürchtete er zu grofse Überraschung, 
wenn er ohne den Leser vorbereitet zu 
haben, einenFisch redend auftreten liefse) 
dogmatisch ein, indem ev sagt, dafs um 
der Erhaltung der Heerden und Brahma- 
nen, der Geister und tugendhaften Men- 



XI 



sehen, der Widds^ des Gesetzes und der 
kostbaren Dinge willen, der Herr des 
Weltalls mehrere Gestalten annimmt, 
üafs er aber, obwohl wie die Luft eine 
Menge Wesen durchdringend, dennoch 
selbst unverändert bleibe, indem er keine 
der Veränderlichkeit unterworfene Ei- 
genschaft besitze. Nun erzählt er das 
EreignÜs der Überschwemmung, und 
ganz im Geiste der in sich vollendeten 
und mit Mythen reichlich ausgestatteten 
j&roA/7)a -Religion schreibt er diese dem 
Schlafe Brahma^ s zu, der nach einer 
Reihe von Weltaltem der Ruhe be- 
durfte, und welchem Hajagriwas^ ein 
Fürst der den Göttern feindlichen Da- 
nawa's^ die im Schlaf seinen Lippen ent- 
strömenden Widds entwandte. Wiscli- 
nus bemerkt diesen Diebstahl, und, um 
der Widds willen und nicht tun Munus 
von dem allgemeinen Untergang zu be- 
freien, steigt er in Fisch - Gestalt zur 
Erde. Aus dem Flusse Kritumala schöpft 



XII 



ihn Satjawratas^ der König von Drawira^ 
der eine Libation vornahm; und m dem 
in der Hand gehaltenen Wasser ein klei- 
nes Fischchen {Saphari genannt) sich be- 
wegen sehend, warf er es mit dem Was- 
ser in den Plufs zurück. Auf die Bitte 
des Saphari^ der inständig und mit bered- 
ter Zunge den Satjawratas um Schütz 
vor den Ungeheuern des Flusses anruft, 
thut dieser ihn in ein Geföfs, und von da 
den wunderbar wachsenden und immer 
wieder um gröfseren Aufenthaltsort fle- 
henden, in gröfsere und gröfsere Wasser- 
behälter, zuletzt in das Meer, wo der 
Fisch abermals um Rettimg vor den ge- 
hörnten See -Ungeheuern fleht, von dem 
mehrmals ^elmsfALlen Satjawratas aber, 
der nun den Grott in ihm zu vermuthen 
anfing, also angeredet wird: „Wer bist du, 
der du mich täuschest unter dieser an- 
genommenen Gestalt? Niemals habe ich 
gesehen oder gehört von einem so wun- 
derbaren Bewohner der Fluten, der wie 



xi;i 



du in einem einzigen Tage einen See von 
hundert Meilen imümkreise ausfullte.Ge- 
wifs du bist Blmgawän^ der mir erscheint, 
der grofse Harisy dessen Wohnung war 
auf den Fluten, der mm aus Mitleid ge- 
S«. «ine Diener die Gewalt der Br«ug. 
ten der Tiefe trägt. Grufs und Lob sei 
dir, o erster Mann! Herr der Schöpfiiüg, 
der Erhaltung und der Zerstörung. Du 
bist, o höchster Herrscher, der erhabenste 
Gegenstand für uns, deine Anbeter, die 
fromm dich suchen. Alle deine schein- 
baren Herabsteigungen zu dieser Welt 
"geben verschiedenen Wesen das Dasein. 
Ich bin aber begierig zu wissen, aus wel- 
chem Grunde du diese Gestalt ange- 
nommen hast. O Lotus -äugiger! lafs 
mich nicht vergeblich den Füfsen eines 
Gottes nahen> dessen erhabene Wohl- 
thätigkeit sich auf alle erstreckte, als du 
uns, zu unserem Erstaunen, den An- 
schein anderer, nicht in Wirklichkeit 



XIV 



•f M > M — — 



existirender, aber nach einander darge- 
stellter Körper zeigtest/* 

Auf diese Anrede besclilofs Wischnus 
den frommen Satjawratas aus der durch 
die Verderbtheit der Welt veranlafsten 
Zerstörung zu retten, verkündete ihnr 
die bevorstehende Ubferschwemmung, 
und gab ihm die Weisung, mit allen Heil- 
kräutern und der ganzen Menge der Sa- 
men, in Begleitung der sieben Rischi^^ 
und umgeben von Paaren aller Thiere, 
in ein Schiff sich zu begeben, in welchem 
er sicher sejn würde vor der Über- 
schwemmung eines imgeheuren Meeres, 
ohne anderes Licht als den Glanz seiner 
sieben Begleiter. Wenn ein ungestümer 
Wind das Schiff umhertreiben würde, 
solle er es mit einer grofsenMeerschlange 
an seinem (des Fischgestalteten Wisch'- 
nus) Hom befestigen, denn er würde in 
seiner Nähe sejn und das Schiff ziehen, 
bis die Nacht Brahmas ganz verflossen 



••••••< 



vmre, Dann aber sollte Satjtxwraia^ seine, 
ganze Gröfse kennen lernen und die Be- 
antwortimg aller Fragen erfahren. Es 
gesehah. wie der Gott vorhergesagt, und 
wie er dem Satjawratas zu thun befoh« 
len hatte. /jJ^cA/zz^^ erschien in der Zeit 
der Gefahr in Fischgestalt, glänzend wie 
Gold, über eine Million Meilen sich ver- 
breitend, und mit einem ungeheuren 
Hotn, an welches Satjawratas das Schiff 
band, und dann, glücklich über seine 
Rettung,* den Erleger des Madhus in 
einem feierlichen. Hymnus pries. ^ 
der König {so schliefst die Episode des 
BhagaWatd) seinen Hjnmus geendigt 
hatte, sprach Bhagawdn der erste Mann, 
welcher für dessen Sicherheit bei der 
Überschwemmung wachte, ganz laut zu 
seinem eignen göttlichen Wesen, einen 
geheiligten Pz^m/^^z aussprechend, der die 
Principien der *&72Ä:ÄyV?-Philosophie ent- 
hielt. Allein es war ein unendliches Ge- 
heimnifs, welches in dem Busen Satja- 



XVI 



•••••••••••••• 



wratasverhorgen bleiben sollte. Sitzend 
im Schiffe mit dei^ Bischis hörte dieser 
das Primcip der Seele, des ewigen We- 
sens, ausgesprochen von der erhaltenden 
Macht. Haris hierauf, mit Brahma aus 
der zerstörenden Überschwemmung, die 
sich gelegt hatte, sich empor hebend, 
tödtete den Danawas Hajagriwas^ und 
erlangte wieder die heiligen Bücher« 
SatjawrataSy unterrichtet in allem gött- 
lichen und menschlichen Wissen, wurde 
durch Wüchniis Gtmst in dem gegen- 
wärtigen Weltalter zum siebenten -Ma- 
T^z^^bestimmttmd/^nv^^^a/^z^ genannt. 
Der dem frommen König erschienene 
gehörnte Fisch aber war M&ja (Täu- 
schtmg), und derjenige, welcher diese 
wichtige allegorische Erzählung andäch- 
tig anhört, wird von dem Joche der 
Sünde befreit werden." 

Die entsprechende Episode des Mar 
ha^Bharata zeichnet sich von der aus- 
geschmückten und weit ausgespoimenen 



xvn 



•••••••••••••• 



Erzählung des Bhagawata^ die wir im 
Auszug nach Jones's Übersetzung mitge- 
theilt haben, durch einfachep, das Ge- 
präge eines hohen Alters an sicl^ tragen- 
den Vortrag und einige wesentliche »Ver- 
schiedenheiten des Inhalts aus. Schön 
und grolsartig ist die allgemeine Über- 
schwemmung in einigen Versen geschil- 
dert, und der als gehörnter Fisch er- 
scheinendeGott, statt, wie im Bhagawata^ 
im Geiste eines späteren, religiös imd 
philosophisch ausgebildeten Zeitalters 
einen geheimnifsvollen Purdna und die 
' Principien einer philosophischen Schule 
zu verkünden, zieht schweigend das 
Schiff, in welchem Manus und die sie- 
ben Rischis waren, weit hin über den 
öcean; viele Reihen von Jahren zieht er 
es fort, bis er zu des Berges Himawdn 
höchstem Gipfel gelangt, wo das Schiff 
festgebunden wurde. Jener Gipfel aber, 
so lautet die Sage, wird heute nochiVaM- 
bandhanam d.h. Schiffs -Bindung ge- 



XVI 11 

nannt. Merkwürdig ist dieser Umstand, 
dafs nämlich im Bewufstsejrn des hohen 
Alters eines Ereignisses, von einem dar- 
nach benannten Orte gesagt wird, dafs 
er noch heute so genannt werde. Von 
viel erheblicherer Wichtigkeit aber ist 
dies, was unserer mahabhäratischen Sage 
das Ansehen einer Überlieferung aus 
vor-brahmanischer Zeit gibt, dafs näm- 
lich in derselben die Verkörperung der 
Gottheit in die Gestalt eines Fisches 
nicht an das Dogma der Herabsteigungen 
(awatäras) JVischnus sich anschliefst, 
welches ein Grundpfeiler der Indischen 
Mythologie ist, und womit der Verfasser 
des Bhdgawata seine Erzählung einleitet; 
sondern dafs die rettende Gottheit dem 
Manus als Brahma sich zu erkennen 
gibt, mit den Worten: „Ich bin der 
Herr der Geschöpfe Brahmaj Er- 
habeneres als ich gibt es nichts." 
Man nehme an dem Namen Brahma kei- 
nen Anstofs, und knüpfe nicht daran 



•••••••••••••• 



alle Vorstellungen der Brahmanen - Re- 
ligion. Mir ist hierbei nur wichtig, dafs 
der Gott nicht Wischnus genannt wird. 
Die Scholiasten wissen jedoch sehr leicht 
die Erzählung des Mahd^Bharata mit der 
späteren Gestaltung des Mjthos in Ein- 
klang zu bringen, und den Brahma ^ so 
deutlich er sich auch selbst als solchen 
zu erkennen gibt, zum Wischnus zu 
machen, welcher letztere wegen seines 
Wachsens hier den Namen Brahma füh- 
ren soll. Es ist einleuchtend, dafs diese 
gewaltsame Verdrängung des Brahma 
aus unserer Erzählung blos auf eine der 
gewagtesten Etjmologieen sich gründet^ 
welche den Namen BralmiA (die Grundr 

form tat Brßhmßn g'gRL)» ^^^ ^^ ^^^ 
meisten durch die sogenannten Unadir 
Sufßxe ecklärteu Wörter in d^r That un- 
erklärbar ist, aus der Wurzel g];^ (wrih) 
wachsen entspringen läfst. Allein gesetzt 
auch diese so verdächtige Ableitung wäre 
gegründet, imd Brahma hätte seinen Na- 



XX 



xnen von seinem Wachsen oder seiner 
Gröfse, so geht hieraus noch nicht die 
geringsteWahrscheinlichkeit hervor, dafs 
in einer ganz einfachen Erzählung, wie 
die des Mahä-BMrata von der Sündflut, 
Wischnus oder irgend ein anderer Gott, 
der auch gewachsen und grofs ist, Brahma 
genannt werden könne. Wäre dies der 
FaU, so würden wir in den alt- indischen 
Schriften keinen Gott mehr vpn dem an- 
deren unterscheiden können, wir wären 
immer blos den gewaltsamen Deutungen 
später Scholiasten hingegeben, die ohne 
Kritik alles in der Befangenheit ihrer 
Sekte und ihrer Zeit erklären, und Spra- 
che und Mythen gleich willkührlich be- 
handeln. Die Wischnuiden mögen uns 
darum verketzern, wir lassen in dem Be- 
richte des Malta 'Bhdrata dem Herrn 
der Geschöpfe Brahma die Ehre, den 
^om^Manus aus der Überschwemmung 
gerettet zu haben. Wie sehr aber die 
beiden Scholiasten, Nilakanthas imd 



XXI 

Tschatur-Bhudschas, die ich zu Rathe 
gezogen habe, die einfache Erzählung von 
der allgemeinen Üherschwemmimg, wie 
sie def Mahd^Bliärata gibt, mit ihrem 
Religionssystem im Widerspruch finden 
und sie nicht begreifen können, zeigen 
sie noch besonders dadurch, dafs sie die 
ganze Geschichte allegorisch zu deuten 
suchen, obwohl sie sonst an viel wun- 
derbareren Ereignissen keinen Anstofs 
nehmen. Nach der allegorischen Erklä- 
rung welche Nilakanthas in der Einlei- 
tung zu dieser Episode gibt, wäre der 
Fisch' das Leben, Manus die Ichheit 
(ahanMrä), das Geiäfs und die anderen 
grofsen Wasserbehälter eben so viel ver- 
schiedene Körper, die Samen die frühe- 
ren Handlungen u. s. w. \ 

Im Bhagawata wird die Über- 
schwemmung als Folge des Schlafes 
Brahmas dargestellt, und erst später, 
mit TVischniis eigenen Worten, der Ver- 
derbtheit des Zeitalters zugeschrieben; 



XXII 

••■••••••#•••• 

die Episode unseres Epos hingegen weis 
nichts vom Schlafe Brahmas und der, 
dadurch veranlafsten Überschwemmung, 
und eben so wenig von der Vorstellung 
der vierzehn in eben so vielen grofsen 
Weltperioden aufeinander folgenden 
Manus\ sondern der gerettiete König, 
der im Bhagawata erst nach der Über- 
schwemmung als Manus erkohren wird, 
tritt hier sogleich als Wiwaswäns (der 
Sonne) Sohn Manus auf, und dafs an- 
dere seines Namens ihm vorangegangen 
und andere ihm folgen werden^ wird mit 
keiner Sylbe angedeutet. Die Über- 
schwemmung aber wird zwar nicht aus- 
drücklich als Strafe für die Verderbt- 
heit des Menschengeschlechts angeführt, 
doch glaube ich, dafs die Worte „diese 
Reinigungs- (Abwaschtmgs ^) .Zeit der 
Geschöpfe ist genaht" nicht anders als 
so gedeutet werden können, dafs durch 
die Strafe der Überschwemmung die 
Welt von ihrem entarteten Zustande 



XXJII 



••••••••••••••• 



gereinigt werde, weil schwerlich im buch- 
stäblichen Sinne ein Abwaschen der Wel- 
ten*) durch die Fluten des ausgetretenen 
Meeres gemeint seyn kann. 

Über das Alter des Mahd-Bharat% 
läüst sich wenig zuyerläfsiges sagen, nur 
soviel scheint ausgemacht, dafs er nach 
den Widds^ den Gesetzen Manus und 
dem Bdmajana das älteste Werk der In- 
dischen Litteratur ist. Sein Stjl zoi^^t 
ebea so deutlich den Charakter einer 
einfachen Naturpoesie, als in den Pur- 
rdnas die Spuren einer yerhältnÜsmäfsig 
viel jüngeren Abfassung sich nicht ven- 
kennen lassen. ]\Ierkwürdig ist es, dafs 



*) Der im Original gebrauchte Ausdruck Idka 
im Plural ist zweideutig und kann sowohl Welten 
als Geschöpfe, Leute bedeuten. Der Scholiast 
Tschatur-Bhudschas nimmt ihn in ersterer Bedeu- 
tung und erklärt lokdndm durch b^wwanänäm. 
Doch ist auch der letzte Ausdruck zweideutig und 
bedeutet nach Wilson 1. Welt, 2. Wasser, 3. Him« 
mel, 4, Mensch, Menschengeschlecht.^ Die letzte Be- 
deutung ist aber äufserst selten und bei Schriftstel- 
lern mir noch nicht vorgekommen. 



XXIV 

in einem derselben, dem MdrkhandSja- 
Purana^ welchen Hr, Dr. Rosen nach 
einer hiesigen Handschrift untersucht 
hat, der Mahd-Bhdrata als ein Werk 
von der gewichtvollsten Autorität feier- 
lich gepriesen wird, auf folgende Weise: 
„Wie unter den dreizehn Göttern Wisch- 
nus, wie unter den zweimal geborenen 
der Brahman, wie unter allen Arten von 
Schmuck der Edelstein im Diadem, wie 
unter den Sinnen das Gemüth, so ist 
unter allen Büchern der Mahd-Bharata 
das trefflichste. In ihm werden Sache 
tmd Pflicht, Begierde und Erhebung über 
das Sinnliche beschrieben, Liebe zu 
Freunden und Liebe zum Gewinn, jede 
besonders. Von den Büchern der Be- 
gierde ist dies das beste, eben so von 
den Büchern der Weisheit, und von den 
Büchern des Gleichmuths auch, wie von 
den Anweistmgen zur Tugend". Offen- 
bar ist aber in diesem riesenhaften Ge- 
dicht von hunderttausend Distichen, 



XXV 

worin vieles vom höchsten Interesse mit 
noch mehrem vom geringfügigsten In- 
halte sich vereinigt findet, nicht aUes 
von gleichem Alter. Vieles ist gewifs 
spätere Einschaltung, anderes aber mag 
auch weit über die Zeit der Abfassmig 
oder Sammlung des Gedichtes selbst 
hinausreichen, und vielleicht viele der 
wichtigsten und schönsten Episoden, die 
der Verfasser oder Sammler als merk- 
würdige Sagen oder Gesänge der Vorzeit 
in sein Gedicht aufnahm, und so wie- 
dergab, Yirie sie im Verh^tnifs des stär- 
keren oder schwächeren Eindrucks, den 
ihr Inhalt auf das Gemiith machte, mehr 
oder minder ihrer ürgestalt getreu in 
schriftlicher oder mündlicher Uberlie-^ 
ferung sich erhalten hatten. Zu den 
Episoden dieser Art wird vor allem die 
von der Sündflut zu rechnen seyn, und 
hierdurch erklärt es sich am besten, dafs 
die Lehre von der Verkörperung ^wcä- 
nu\ so nahe auch ihre Berührung lag, 



XXVI 

und so oft sie auch an anderen Stellen 
unseres Heldengedichts vorkommt, der 
erv?ähnten Episode ganz fremd scheint. 
Sie gehört, wie die drei anderen hier mit- 
getheilten Episoden, zum dritten Theile 
des Malta ' BharatUy J^ana-parvan ge- 
nannt, welcher den Aufenthalt der Pän-^ 
dawas in der Wildnifs besingt, wo einst 
der Brahman Markhandejas sie besuchte 
und ihnen, zur Erheiterung und Linde- 
rung ihres Kummers über die Verban- 
nung, viel merkwürdiges und anziehen-^ 
des aus alten Sagen uind Dichtungen be«- 
richtete; und als JudJuschthiraSy der äl<* 
teste der Pdndawas zu ihm sagte y^^ 
zähle hier den Wandel itfo^/zz/^, des Sohuiea 
FFwaswäns (der Sonne)" da ent&pracji 
er seiner AufToderung durch Erzählung 
der Geschichte der^rofsen Überschwem- 
mung, die weniger als andere Episoden 
des Mahd'Bharata durch dichterische 
Schönheit als durch andere Beziehung, 
worauf wir aufmerksam gemacht haben^ 



!••••• 



von höchster Wichtigkeit ist, und die 
ich iVie die drei folgenden Episoden mög- 
lichst getreu aus der Ursprache ühersetzt 
hahe, mit Verzichtleistung auf poetische 
Form, aber mit Bep)ehaltung der Ein- 
theilung in Sloka's oder Strophen. 

Die beiden folgenden Episoden, Sd^ 
witri imd der Raub der Draupadi*) sind 
mehr in poetischer als in anderer Bezie- 
hung merkwürdig, und sie werden daher 
am besten für sich selber reden. Doch 
ist erstere auch von mythologischer Be* 
deutung, und hat mir in einer noch nicht 
gedruckten akademischen Abhandlung 
Yeiranlassung gegeben, mich über den 
Charakter des Jarnos ausführlicher aus^ 
zusprechen, da er als Gott des Todes in 
dieser Episode in der Verrichtung seines 
Amtes auftritt. Die letzte Episode, ^ydr- 



*) über Drauptidi und ihre fünf Gatten die Pdnm 
dawe^s oder Abkömmlinge des Königs Pändus gibt 
die Vorrede zu Jrdschunas Reise zu Indras Himmel 
nähere Auskunft. (BerÜB 1824 bei Logier.) 



xxvin 

dschunas Rückkehr" wovon ich hier nur 
die wichtigsten Gesänge mittheile^ ver- 
diente schon als Gegenstück zu der frü- 
her von mir herausgegebenen Himmel- 
Reise Aes Ardschunas einer Bekanntma- 
chimg. Sie ist aber auch von selb^tstän- 
digem Werthe und aufser ihrem dichte- 
rischenGehalte besonders darum wichtig, 
weil sie auf den ewigen Streit der Götter 
und Nicht-Götter (Suras xmAAsuras) sich 
bezieht, welche letzteren ArdschunaSj 
im Auftrage seines himmlischen Vaters, 
des Götterfürsten IndraSy auf dessen 
himmlischem, mit zehntausend Pferden 
bespannten und von MdtaUs gelenkten 
Wagen bekämpft. 

Der Urtext dieser vier Episoden ist 
bereits gedruckt und erscheint in einem 
besonderen Werke*). 

'^) Diluvium cum trihus aliis Mahä" Bhärati 
praestatUissimis episodiis. Faseiculus prior, quo 
continetur textus sanscritus. 



Die Sündflut. 



««wv^w« 



1 • Des TViwaswän Sohn 'war ^in König 
und grolser Weiser, ein Fürst der Män- 
ner, dem Pradschdpatis ähnlich an 
Glanz. 

2« Durch Kraft, Herrlichkeit, Glückselig- 
keit und Buise zumal übertraf Manus 
seinen Vater und Grofsvater. 

3. Mit emporgestred&ten Armen übte der 
Herrscher der Männer , auf ' Einem 
Fufse stehend, strenge, grofse Bufse. 

4« Das Haupt gesenkt, mit festem unbe- 
wegtem Blick, hülste er schreckliche 
Buise eine lange Reihe von Jahi*en. 

5. Zu ihm dem büüsenden mit genäisler, 
^ langer Haarflechte, sprach einstmals, an 
das Ufer der Wirini gekommen, ein 
Fisch diese Rede: 

A 



2 



6. Glückseliger! ein kleiner Fisch bin ich, 
vor den starken Fischen habe ich Furcht; 
darum wollest du mich retten, o Voll- 
bringer der Gelübde! 

7. Denn starke Fische verzehren den 
schwachen Fisch zumal; so ist ein 
ewiges Loös uns verhängt. 

8. Darum aus dieser grofsen Furcht- Fülle 
zumal wollest du mich den versinken- 

« 

den befreien; Gegendienst werde ich 
nach vollbrachter That dir leisten. 

9. Des Fisches Rede vernommen habend, 
nahm von Mitleid erfüllt, der WiwaS" 
watide Manus selbst mit der Hand je- 
n6n Fisch. 

10. Den an des Wassers Ufer gebrachten 
Fisch warf der PViwaswatide Manus In 
ein den Hondesstrahlen an Glanz ähn- 
liches Gefäfs. 

11« Daselbst wuchs, o König, jener Fisch, 
, der vorzüglich gepflegte ; wie zu eiciem 
Sohne neigte zu ihm Manus das Ge- 
müth zumal. 



1 2. Aber nach langer Zelt war dieser Fisch 
sehr grois, und als er in dem Gefalse 
nicht Platz hatte, 

13. da sprach der Fisch zu Manus, ihn se- 
hend, wieder also: O Glückseliger, Gu- 
ter, an eine andere Stelle bringe mich! 

14. Herausnahm aus jenem Gefäfse sodann 
jener Glückselige, Manus, jenen Fisch, 
und zu einem groüsen See brachte ihn 
Manus. 

15. Dort warf ihn hin, Manu^i der Be- 
zwinger feindlicher Städte. Aber es 
wuchs jener Fisch wieder viele Reihen 
von Jahren. 

16. Drei Meilen lang war der See, und 
breit auch eine Meile; in diesem konnte 
nicht weilen der Fisch, der Lotus- äu- 
gige, 

17. oder si^jh regen, der Fisch, o Kunti^ 
Sohn ! in dem See , o Herr ' der 
PFaisjas; zu Manus sprach der Fisch 

.JK^ann, ihn sehend, wieder aLso: 
18/ Bringe mich, Glücksellger, Guter, zu 



des Meeres Gattin, o Herr! zur Gangd, 
dort werde ich wohnen; oder wie du, 
o Lieber, meinst. 

19. Denn mir ziemt zu stehen unter dei- 
nem Befehl ohne Murren, denn dies 
grofse Wachsthum habe ich erlangt 
durch dich, o Sündeloser! 

20« So angeredet, brachte Manus der glück* 
selige, gewaltige, den Fisch zum Flusse 
Gangd, dort warf er ihn bin selbst, der 
unbesi^te. 

21 . Es wuchs dort einige Zelt lang, o Feind- 
bändiger, der Fisch; dann sprach wie* 
der zu Manus, ihn sehend, der Fisch 
diese Rede: 

^2. In der Gangd kanu ich nicht wegen 
der. Gröfse mich regen. Erhabener! 
zunt Meere bringe mich schnell, sei 
gÄadIg, o Glücksellger, mir, 

23jK^^Herausnahm aus der Gangd -Fhil so- 

-'^* dann den Fisch Monas selbst; und 
zum Meere brachte er ihn, o Prithd" 
Sohn, dort warf er ihn hin. 



•••••••••••••» 



24. Sehr grois aber war jener Fische den 
Manus dahin brachte» nach Wunsch 
zu fassen jedoch , und berührt Wohl- 
geruch verbreitend. 

25. Als in das Meer geworfen nun jener 
Fisch von Manus ^ da sprach er zu ihm 
diese 'Rede lächelnd gleichsam* 

26. O Glückseliger! Erhaltung hast du mir 
gewährt, vollkommene zumal; was, 
wann die Zeit genaht, du ^u thun hast, 
das vernimm voi^l mir. 

27. In kurzem, Glückseliger*, wird dies ir- 
dische Feste und Bewegliche ganz und 
gar, o vielbeglückter, in Überschwem- 
mung gerathen. > 

28. Diese Abwaschungszeit der Gesdiöpfe 
ist nahe.; darum verkünde ich dir, 
was dir zum höchsten Heile gereichen 
wird. 

29. Von dem Beweglichen und Festen was 
sich reget, jund was sich nicht reget, 
dem allen ist genahet die Zeit, die 
überausschreckliche. 



30. Ein Schiff hast du zu bauen, ein festes, 
seilyersehenes; in dieses sollst du mit 
den sieben Weisen zugleich hinein-, 
steigen, grofser Einsiedler! 

31. Und die Saamen auch alle, wie sie 
immer genannt von den Brahmanen 
vormals, bringe in dies Schiff, wohl- 
verwahret, abgesondert. 

32. Und im Schiffe seiend, sieh mir ent- 
gegen, alsdann o Liebling der Einsied- 
ler, werde ich nahen, gehörnt, dadurch 
erkennbar, o Biifser! - 

33. So ist dies von dir zu machen, sei 
gegrüfst, ich gehe. Wahrlich sie kön- 
nen nicht überschifft werden, die gro- 
fsen Wasser, ohne mich. 

34. Nicht aber ist zu b^weifeln diese 
meine Rede von dir, Erhabener!. ,,Dies 
werde ich thun^' so antwortete jener 
jenem Fische. 

35. Beidö gingen dann, wohin sie Lust 
hatten, nachdem sie Abschied genom- 
men von einander. Manus hierauf, 



o grofser König , wie ilim gesagt war 
von dem Fische, 

36. die Stiamen mit siöh nehmend alle, be- 
stieg er das Meer, das gröfswogige, in 
einem schönen Schiffe, defr Verständige, 
o Feindbesi^er ! 

37* Und es gedac^ht^ Mänus jenes Fi^hes, 
o Heiü^ der Erde! Jener aber, dessen 
^ Gedanken erkennend, der Fisch, o feind- 
licher Städte Bezwinger j gehörnt kam er 
herbei nün^ o Bester der Bharatiden. 

38. Als ihn sah, o Ftiü*st der Manus^ge- 
■' bdrenen, Mamas ^ den Fisch iiÄ Was- 

•" öer-Meer, den gehörnten , mit der 
verkimäeten Gestalt , einem emporge* 
streckten Berge glei^k: ' ■■' ^ '- 

39. Da bBäd eiii Seil an des Fisches Ko^f 
- MwiV^y ö Pätst 'der Mänus - gebornen , 

an jeii^*[orn- • -- . 

40; Gebündeü^ mit jenem ^ley dev li'iscli:^ 
o feiiidlidhep Städte Beci^inger! * mit 
größer Schnelligkeit zog et fort das 
Schiff in der Meeresflut. 



8 



41« Und es setzte mit jenem Schiffe der 
Herr der Menschen über das Meer, 
das tankende mit den Wogen , das 
brüllende mit dem Wasser« 

42, Bewegt von starken Winden in dem 
grofsen Meere, dem wogende^, war je- 

. nes Schiff wie ein zitterndesi trunkenes 
Weib, o feindlicher Städte ]Bezwinger. 

43. Weder die Efde viar sichtbar noch die 
f W eltgegenden oder die Zwischenpunkte; 

alles war Wasser nämlich , Luft und 

Himmel, o Füi:st deir Männer. 
44* lu. der so beschaffenen gapzen Welt, 
. : 0; Fü^H' der iBAamtjcie/Z',; ^wurden die 
.'^losiieMn.W^i^en gesehen und Manus und 

auch der Fvleb* 
4$vlSo "zog yielje ^S^ihepi von Jala*en jener 
... Fisch. jene$ Schiff- un^rmüd^tt o K.Q- 

nig, in jener Wasser- EaUe^'^i p. 
46«' Und. welches vom Himawdn\ ibp iiQ^h- 

^te Gipfel', o Viknt fielt Sharatiden, 

dahin > zog sOdann das^ Schiff jener 

Fisch. 



ii 



47. Hierauf sprach langsam der Fisch zu 
jenen Weisen lächelnd: Auf diesem 
Gipfel des Himawdn bindet fest so- 
gleich das Schiff* 

48. Gebunden wurde auf des Fisches Wort 
von jenen Weisen schnell, o Fürst der 
Bharatiden, das Schiff auf dem Gipfel 
des: Himawdn* .. 

49. Dieser Gipfel aber, der höchste des JTt- 
mawdn^ wird Naubandhanam (d. h. 
Schiffsbindung) mit Namen genannt 
noch heute, dies wisse, Fürst der Bha- 
raUden. 

50t t|)sanp sprach mit festem, BK(4l,3^ den 
Weisen der Gnädige: ,,Ick biB der 
l^err )der,X^«ßschöpfe^^ 
als ich ;gihf ,es Bti^hts-). 

5 1 • In^ Fisdi ^-Gesudt - habe ich euch von 
dies^ .Gefahr befreit; :vpu Mofiusf aber 
si];id .d^e Geschöpfe alle,^. nebst Gqttern 
' 4suren und Menschen 

52. zu ^haffen und alle Welten,^ yr^ be^ 
weglich und was nicht sich bewegt; 



10 



dtürch übörstrenge Bufse wird dies in 
Erfüllung 'gehen. 

53. Durch meine Gnade wird er beim Schaf- 
fen der Geschöpfe nicht in Verwlrning 
gerathen.** Als die Rede gesprochen der 
Fisch, ging et augenblicklich 2ur Un- 
sichtbarkefit. - 

54. Manus aber, der Wvwaswatlde, be- 
gierig selbst zu schaffen die Geschöpfe, 
verwirrte sich bei der Schöpfung; grofse 
Bufse büfste er sodann. 

55 • Mit grofser Bufse erfüllt, begann hierauf 

zu schaffen alle Geschöpfe ^mii5/augen- 

* ^'' khemlichV'passiend, o Fürst derÄÄam- 

-■^ «äeri! ' '" ■ ^ 

S&. So ist ntmj^ne alte, berfihmteGeschichte, 

die vom Fischt nitndkllV'^ von mir er- 

f' ' ' ÄWe, Aih äfle 'SöMen '»'^[nehifiende. 

57i ' »Wer 'ihtf bort immer , diesen Wandel 

'•'-des Manus 9 veipiügt iiii Besitze aller 

vollkommenen Dinge, -geht ein in die 



^, 



nimmelswelt ein solcher Mann/ 






# 



/ 



S ä w i tri. 



V«/Vt/Vl/W 



Erster Gesang. 



1., Vernimm, König Judhischthiras y der 
yortrefflichen Frauen ganze Glüdcselig- 
keit, wie sie erreicht worden von Sa- 
witfi der Königstochter. 

2. Es war in Madras ein pflichtbedachter 
sehr tugendhafter König, ein gottseli- 
ger,' schutzspendender,' versprechen- 
treüer, von besiegten Sinnen. 

3. l^in Opferer und Gabenspender, recht- 
lich, geliebt von Städtern und Land- 
leuten, ein Fürst, Aswapatis mit Na- 
men, der aller Wesen Wohl sich freute. 

4. Duldsam, wahrhaft, von bezähmten 
Sinnen, aber kinderlos; und da weit 
vorgerückt sein Alter, empfand er defs- 
balb Betrubnifs. 



12 



5. Und um Nachkommenschaft bestand 
er herbe Bändigung , seine Nahrung 
beschränkend, in keuscher Enthaltung 
lebend, die Sinne unterdrückend. 

6. Es opferte hunderttausendweise der «Sa- 
v/itri der beste der Könige; einmal 
nur des Tages geno£s er beschränkte 
Nahrung. 

7. In solcher Bezähmung beharrte er der 
Jahre zehn und acht, im vollen acht- 
zehnten Jahre ab^r empfand Freude 
darob Säwitri. 

8. Körperlich, o König, zeigte sie sich 

ihm, dem Fürsten, aus dem heiligen 

Feuer heryorsteigend; mit grofser Freude 

erfüllt sprach die Seegengeberin zum 

.Erdherrscher diese Rede: # 

9« Durch diesen reinen Wandel der Keusch- 
heit, die Bezähmung und Bändigung, 
und die Huldigung von ganzer Seele, 
bin ich, Erdherrscher! von dir erfreut. 
10. Eine Gnade wähle, Jswapatis, König 
von Madras! deinem Wunsche gemäfs; 



13 



m den Pflichten aber mufst du auf 
keine Weise eine Verirrung b^hen. 

Aswapatis. 

11. Um Nachkommenschaft habe ich be* 
gönnen die Bufsiibungf der Pflicht er- 
geben; viele Stamm- erhaltende Söhne, 
o Göttin, werden mir verliehen! 

12. Wenn du erfreut bist, Göttin, ist dies 
der Wunsch den ich wähle; denn 
Fortpflanzung ist erhabene Pflicht, so 
sagen mir die Brahmanen. 

Sawitn* 

13« Bei'eits habe ich, a Köni^, dein Ver- 
langen nach Kindern eilLennend, dei- 
netwegen gesprochen zum Urvater; 

14.^ Und durch die Gnade, verliehen von 
Ihm der durch sich selbst ist, wird eine 
glänzende, liebliche Tochter dir bald 
werden. 

15. Gegenrede aber mufst du auf keine 
Weise sprechen; auf des Urvaters 



14 



Befehl sage ich dir dieses erfreut. 

16. nJä" ^o willigte der Fürst in die 
Rede der Sdwitri; und nochmals* flehte 
er: ,,bald möge dies geschehn!" 

17* Als verschwunden Sdwitri, kehrte er 
zurück zu seiner Wohnung, und wohnte 
freudig in seinem Reiche, die Unter- 
tbanen nach- Pflicht beschützend. 

18. Nachdem einige Zeit verflossen, be- 
fruchtete der König, gelöüsten Gelüb- 
des-, seine älteste pflichtergebene Ge- 
mahlin« 

19. Im Schoofse der Königstochter Malawi 
wuchs die Frucht wie am lichten Him- 
mel der Sternenfürst. 

20. Und als die Zeit gekommen, gebar sie 
eine Lotus- äugige Tochter. Die Geburts- 
bräuche verrichtete der erfreute Fürst. 

21. Von der erfreuten Sdwitri wurde sie 
gegeben, von Sdwitn welcher geopfert ' 
wurde, darum nannten sie Sdwitri die 
Brahmanen, und so der Yater. 

22. Schön wie Lakschmi wuchs sie heran 



15 



die Fürstentocbter, und mannbar wurde 
mit der Zeit das Mädchen. 

23. Die schlanke, starkhüftige, goldähnliche 
sehend, dachten: ,,eine Göttertochter 
ist genahet", die Männer. 

24. Keiner aber wählte, von ihremSchimmer 
geschlagen, zur Fi'au die Lotuslaub-ähn- 
liche,welche flammte gleichsam yonGlanz. 

25. Und diese, das Haupt gebadet, nach- 
dem sie den Göttern genaht und Brand- 
opfer verrichtet der Vorschrift nach, 
besprach sich an feierlichem Tage mit 
den Brahmanen. 

26. Hierauf die Blumen nehmend, die sie 
den Göttern gereicht hatte, trat sie, 
schön wie die Göttin JMkschnu, in des 
grofisgeistigen Vaters Nähe* 

27« Nachdem sie zu des Vaters 'FiUsen sich 
gebeugt und die Blumen, "^omit sie den 
Göttern gehuldigt, ihm übergeben hatte, 
stand sie, die schönhüftige, mit gefalte- 
ten Händen zur Seite des Herrschers der 
Männer. 



16 



28. In mannbaFem Alter sehend seine Toch- 
ter von göttlicher Gestalt, und nicht zur 
Ehe begehrt von Männern, betrübte^ 
sich der Fürst. 

Der König. 

29. Tochter, es ist Zeit dich zu vermäh- 
len, und keiner wählet dich! Selber, 
suche dir einen Gatten, welcher dir 
ähnlich an Tugenden. 

30. Den Mann den du begehrst, magst du 
mir künden, und erwägend werde ich 
dich geben; wähle du deinem Wunsche 
nach! 

31. Was ich gehört aus den Büchern der 
Pflichten, wie es Brahmanen mir vor- 
lasen, dies höre du, o Vortreffliche, 
von mir dem Rede sprechenden: 

32. „Der Yater, welcher nicht vermählt 
ist tadelhaft, tadelhaft der Gatte, der 
nicht nahet (der Gattin); w^nn der Gatte 
gestorben ist der Sohn tadelhaft, welcher 
nicht Qeschützer der Mutter ist.^' 



17 



33. Auf diese vernommene Rede eile zu 
suchen einen Gatten; dafs vor den 
Göttern ich nicht tadelhaft seyn möge, 
solches bewirke. — 

34. Nachdem er dies gesagt zur Tochter, 
und eingestimmt hatten die Alten tmd 
Räthe, wies er ihr an das Reisegeräth, 

Hind ,,gehe!" so entliels er sie. 

35. Sie aber beugte sich schamhaft zu des 
Vaters Fiilsen, die fromme, und des 
Vaters Rede beherzigend, ging sie hin- 
aus ohne Bedenken. 

36* Einen goldenen Wagen besteigend, mit 
alten Räthen umgeben, fuhr sie zu den 
reizenden Büfsungswäldern der könig- 
liehen Weisen. 

37* Daselbst beugte sie sich zu den Füfsen 
der ehrwürdigen Alten, und der Reihe 
nach ging sie zu jenen Wäldern allen. 

38. An allen heiligen Badestellen auch 
Schätze spendend den vorzüglichsten 
der Brahi!Kianen, besuchte sie, die Für- 
stentochter, diese und jene Gegend* 

B 



18 



Zweiter Gesang. 



1. Aber der Madrasbeherrscher, der Kö- 
' nlg, zu welchem Ndradas gekommen 

war, safs im Gespräch in der Mitte 
der Halle. 

2. Da kam, alle heilige Badestellen besucht 
habend^ zur Wohnung zurück Sdwitri 
nebst den Käthen. 

3 • Und mit Ndradas beisammen sitzend den 
Täter sehend, beugte sie sich, die schöne, 
mit dem Haupt zu beider Füfsen. 

Ndradas. 

4. Wohin gegangen war deine Tochter? 
und woher kommt sie, Herrscher der 
Männer? Warum vermählt sich kein 
Gatte mit dieser mannbaren Jungfrau? 

Aswapatis. 

5. In diesem Geschäfte gerade von mir 
ausgesandt ist sie eben zurückgekehrt, 



19 



darum vernimm von ihr, o göttliclier 
Seher, was für ein Gatte von ihr ger 
wählt. 

6. ,,Du aber berichte ausführlich!" So 
aufgefodert vom Vater, wie eines Got- 
tes Rede vernehmend, sprach sie, die 
schöne, dieses: 

7. Es war in Salwa ein pflichtei^ebener 
Kschatrijas König, Djumatsenas ge- 
nannt, der wurde blind. 

8. Dem Aug- beraubten, eines unmündi- 
gen Sohnes Vater, dem verständigen 
wurde das Reich genommen in seiner 
Blindheit, von einem nachbarlichen al- 
ten Feind., 

9. Mit seiner Gattin, eines unmündigen 
Kindes Mutter, ging er in den VTald; 
zu einer grofsen Vi^ildnifs gelangt übte 
er Bufse, der sehr fromme. 

10. Sein Sohn, der in der Stadt geborene, 
aufgewachsene im Büfsungswald ist Sa- 
tjawdn, der mir gleiche; ,,er sei mein 
Gatte" so habe ich im Geiste ihn gewählt. 

B* 



20 



Näradas. 

11. Ach, wehe! einen, grofsen Fehler hat 
Sdwitriy o Fürst, unwissend begangen, 

'^ dafs sie den tugendbegabten Satjawdn 
gewählt. 

12. Wahrheit redet sein Vater,' Wahrheit 
spricht seine Mutter, darum gaben ihm 
die Brahmanen den Namen Satjawdn. 

13. Diesem Knaben sind die Pferde werth, 
er bildet Pferde aus Lehm, und er 
zeichnet in bunter Farbe Pferde, darum 
wird er auch TschitrdsMvas genannt* 

Der König. 

14. Ist er glänzend, verständig, dieser Für- 
stensohn? ist duldsam und ein Held 
Sa^awäitf des Vaters Liebling? 

/ Ndradas. 

15. Wie die Sonne ist er glänzend, dem 
TVrihaspatis ähnlich an Verstand; wie 
4er grofise Indras ist er ein Held, und 
wie die Erde mit Geduld begabt. 



21 



As'wapatiSf 
16. Ist der Königssohn auch ein Gaben- 
spender und gottselig? ist er wahrhaft? 
Ist er sphön, oder edehnüthig, oder 
lieblich zu sehen? 

Ndradas. 

17* Dem Sankritiden RatideM^as ist er aus 
eigner Natur an Gabe gleich, gottselig 
auch und wahrheitredend wie Siwis 
von Usinara, 

18. Und wie Jajdtis ist er edelmüthig, und 
wie der Mond lieblich zu sehen; an 
Gestalt kommen i^im nicht gleich die 
beiden Aswinen, dem starken Sohne 
des pjwnatsenas. 

19. Dieser bezähmte, dieser sanfte, der Held, 
mit besiegten Sinnen, dieser freundliche, 
nicht fluchende, standhafte, glänzende: 

20. In ihm ist Geradheit beständig, ihm 
ist stetige Festigkeit; so wird er in 
Kürze yon den Andachtreichen und 
Tugendreichen beschrieben. 



22 



Aswapatis, 

21. Mit allen Tugenden begabt schilderst 
du ihn mir, o Glückseliger! seine Fel- 
ler auch künde mir, wenn deren ir-^ 
gend an ihm sind. 

Ndradas. 

22. Ein Fehler fürwahr haftet, zu den Tu- 
genden gesellt, an ihm; diesem Fehler 
aber kann auch mit Anstrengung kein 
anderer beigefügt werden. 

23. Einen Fehler hat er und keinen an- 
deren: von heute an wird Satjawdn 
in einem Jahre, vollbrachten Lebens, 
den Körper ablegen. 

Der König. 

24. Gehe Säwitri^ gehe, ein^n anderen 
wähle, o Schöne! An ihm haftet ein 
grofser Fehler, Einer, welcher den 
Tugenden beigesellt. 

25. Wie mir der Glückselige sagte, Ndror 
dasy der von den Göttern bewirthete, 



23 



• •••••••••M«* 



Wird er in einem Jahre, vollbracliten 
Lebens, den Körper, ablegen« 

Sdwitrip 

26. Einmal fällt das Loos, einmal wird 
vermählt die Tochter, einmal sagt er 
(der Vater) ,',ich gebe"; dies sind dieT 
drei Einmal der Guteti. 

27* Lebensreich oder lebensarm, tugend- 
haft oder tugendlos, einmal ist er ge- 
wählt von mir zum Gatten, nicht ei- 
nen zweiten wähle ich. 

28. Mit dem Geist wird der Entschlufs ge« 
fafst, verkündet mit der Rede dann, 
und mit der That hernach vollbracht, 
darum ist Schiedsrichter mir der Geist. 

Näradas. 

29. Fest ist der Sinn, o Trefflichster der 
Männer, deiner Tochter Sdwitri; nicht 
*ist sie abzuhalten auf irgend eine Weise 
von dieser Pflicht. 

30. Keinem anderen Manne sind die Tu- 



24 



genden des Sa^'awdn, darum auch ge- 
fällt mir seine Yermählung mit deiner 
Tochter. 

Aswapatis. 

31. Unumstöfslich ist die wahrhafte Rede, 
die du sprachst; ich werde sie erfüllen 
wahrlich; denn du, Glückseliger! bist 
mein Meister. 

Ndradas. 

32. Ohne Störung sei die Verlobung deiner 
Tochter Säwitri; ich aber gehe jetzt; 
Heil sei euch allen! 



33. Also sprach er, und auffliegend ging er 
zum Hiramel; der König aber besorgte 
seiner Tochter Yermählung. 

Dritter Gesang. 



1. Und der König dachte anjetzt auf die 
Vermählung, und brachte zusammen 
alles zur Feier nöthige Geräthe. 



25 



»•••••• 



2. Die alten Brahmanen alle, die Priester 
des Hauses und Opferpriester mitneli« 
mendy brach er auf sodann, bei glück« 
liebem Gestirn, mit der Tochter. 

3. Zum Medja-WalAe gelangt, ging der 
königliche Welse sammt den Brahma- 
nen zu Fuise In des Djwnatsenas Ein- 
siedelei« 

4. Dort sah er den groisgelstigen unter 
einem «Sü/a -Baume auf einer Bank yon 
Kusa^Gras sitzen, den gesichtberaub- 
ten Fürsten. 

5. Der König, nachdem er Verehrung er- 
zeigt nach Sitte dem königlichen Wei* 
sen, gab demüthig durch Rede sich zu 
erkennen« 

6. Ihm bot der pflichtkundige die Argfict 
und Sitz, und Platz; und, „was ist 
die Ursache deines Kommens?" sagte 
der König zum Könige« 

7«^ Dieser unterrichtete Ihn gänzlich von 
seinem Begehren und Vorhaben, deu- 
tend auf SaXjawdn. 



26 



As'wapaÜs. 

8. Dies isl Sdwitrif o königlicher Welser, 
meine schöne Tochter; diese nimm nach 
eigener Pflicht, o Pflichtkundiger, zu 
deiner Schnur ! 

Pjumatsenas. 

9. Des Reichs beraubt, zur Waldwohüung 
gekommen, üben wir bezähmter Büfser 
Pflicht; wie aber wird deine Tochter, 
in Palästen zu wohnen würdig, in der 
Einsiedelei diese Mühsal ertragen? 

Aswapatis, 

10« Freud und Leid von Besitz und Ent- 
behrung hat stets gekannt meine Toch- 
ter, und so auch ich. Nicht ziemt an 
Meinesgleichen solche Bede zu richten, 
mit festem Entschlufs bin ich zu dir 
gekommen, Fürst! 

11. Die Hofihung muist du mir nicht zer- 
nichten, aus Freundschaft, dem ge- 
beugten; den in Liebe hergekomme- 



27 



neu mufst du nicht ziirückweiseii 
mich. 

12. Gleich und zukommend bist du mir 
und ich auch dir; als Schnur nimm 
an meine Tochter zur Gattin des gu- 
ten Satjawän» 

PjumatsencLS. 

13. Längst schon war mir ersehnt eine. 
Verbindung mit dir, aber ,,des Reichs 
beraubt bin ich'', daher dies Bedenken. 

14. Der Wunsch, den ich früher gehegt 
habe, der Ist zurückgekehrt heute durch 
dich; denn du bist mein ersehnter 
Gast. ^ 



15. Nachdem die Brahmanen, welche die 
Einsiedelei bewohnten, alle versammelt, 
vollbrachten die Yermählung nach Sitte 
die beiden Fürsten^ 

16. Und Aswapaiisy als er die Tochter ge-' 
geben imd würdiges Gefolge^ ging zu sei- 
nem Palaste, mit grofser Freude erfüllt. 



28 



17« Satjawän aber, im Besitze der mit al- 
len Tugenden begabten Gattin, freute 
sich, und so auch sie, welche den vom 
Herzen ersehnten Gatten erlangt hatte. 

18. Nachdem der Yater gegangen, legte sie 
ab allen Schmuck, und nahm die Klei- 
der von Baumrinde und das rotHe 
Gewand. 

19« Durch Dienstwilligkeit, Bescheidenheit 
und Bezähmung, und durch Wunsch* 
erfüllung Aller erregte sie Aller Zu- 
friedenheit. 

20. Die Schwäherin erfreute sie durch jeg- 
liche Pflege des Kc»*pers, durch Beschat- 
tung und andere, den Schwäher durch 
Götterdienst und durch Bezähmung der 
Rede. 

21. Und durch liebliches Gespräch, Ge- 
schicklichkeit, Sanftmuth und im Ge^ 
heim durch Pflegen der Liebe erfreute 
sie den Gatten. 

22. So yerflofs, o BharaUde^ einige Zicit den 
büfsenden Bewohnern der Einsiedelei. 



29 



23. Sdwitri aber härmte ^leh, und stand 
bei Tag und bei Nacht. Die Ndradas 
gesprochen, diese Rede lag ihr im 
Herzen. 

Vierter Gesang. 



1 • Als die bestimmte 2ieit verflossen, nahte 
jener Tag wo Satjawän sterben mufste. 

2. Es zählte Säwitri die schwindenden 
Tage, Tag für Tag; jene Rede, die 
^Näradas gesprochen, lag ihr im Her- 
zen besfändig. 

3. ,,Am vierten Tage mufs er sterben!" 
so dachte die vortreffliche, und drei- 
nächtliche Bufse beschliefsend stand sie 
bei Tag und bei Nacht. 

4. Hörend von dieser Zähmung, härmte 
sich der Füi*st der Männer {Ljuanatse^ 
nas), und aufstehend, sprach erschmei- 
chelnd zu Sdwitri die Rede: 

5. Überaus streng ist das Beginnen das 
du begonnen^ o Fürstentochter! drei 



30 

1 • 

Nächte zu stehen ist sehr schwer zu 
vollbringen. 

Sdwitrt. 

6. Nicht mufst du dich betrüben, ich 
werde ausführen die Bufse; denn be- 
schlossen ist es, und Beschliefsung ist 
die Ursache. 

Bjumatsenas. 

7. ,, Brich das Gelübde!" vermag ich kei- 
neswegs dir zu^sagen; ,, führe es aus!" 
so sprechen Meinesgleichen geziemende 
Rede. — 



8. 'Als dies gesprochen, schwieg iyumat^emi5 
der grofisgelstige; Sdwitrt aber die ste- 
hende war einem Pfahle gleich zu sehen. 

9< £s kam der Vorabend des Todes des 

Gatten, und in Kummer verflofs die 

Nacht der stehenden Säwitri. 

10. ,, Heute ist jener Tag!" dachte sie jetzo, 

und opferte schnell dem Feuer, nach- 



V. 



31 



dem sie mit Sonnenaufgang die Mor- 
genbräuche verrichtet. 

11. Vor den alten Brahmanen sämmtlich, 
vor Sohwäherin und Schwäher beugte 
sich, der Reihe nach, die bezähmte, 
und mit gefalteten Händen stand sie da. 

12. Untrügliche Seegensprüche, ersprieß- 
liche, heilsame sprachen für Sdwitrt 
die Büfser alle, die den Büfsungswald 
bewohnten. 

13» ,,Also sei es!" so nahm auf mit dem 
Geiste Sdwatri^ in Gedanken versun« 
ken, jene Reden der Andächtigen. 

14. Jener Zeit, jener Stunde sah entgegen 
die Furstentochter, der Rede gedenkend, 
wie sie Ndradas gesprochen, sehr be- 
kümmert. 

15. Dann sprachen Schwäher und Schwä- 
herin zur Füfstentochter, der einsam 
dastehenden, mit Freude, o Trefflichster 
der Bharatiden: 

16. Das Gelübde, wie du es gelobt hast, 
ist pünktlicji erfüllt von dir; die Zeit 



32 



^es Essens ist gekommen, tbue dem- 
gemäls. 

Sdwitn. 

17* Wann untergegangen ist die Sonne, 
werde ich essen erfüllten Wunsches; 
diese Entschllefsung und Bedingung 
habe ich im Herzen festgesetzt. 



18. Indem so sprach Sdwitri yom Genüsse 
der Nahrung, nahm Saljawdn auf die 
Schulter das Beil, um in den Wald 
zu gehen. 

19* Sdwitri aber sprach zum Gatten: AI« 
lein mufst du nicht gehen! Mitgehen 
werde ich; denn dich verlassen kann 
ich nicht. 

Satfawdn* 

20. Niemals gingst du in den Wald vor- 
dem; der Weg wird für dich schmerz-, 
haft seynr. Von Qual und Fasten er- 
schöpft, wie willst du ;eu Pulse gehen? 



33 



. i Sdwitri. 
21. Vom Fasten bin ich nicht erschöpft, 
und Ermüdung fühle ich nioht; da ich 
zu gehen Kraft habe, mufst du mich 
nicht zurückweisen. 

Sßtjawdn. 
•22. Wenn du zu gehen Kraft hast, will 
ich dir diese Liebe thün; von meinen 
Eltern jedoch nimm Abschied, dafs 
mich nicht treffe diese Schuld. — 



23. Sie beugte sich und sprach zur Schwä* 
herin und zum Schwäher, die fromme: 
Es geht mein Gatte, um Früchte, zu 
holen, in den gro&en Wald« 

24. Ich selber wünsche, beurlaubt von der 
Schwäherin und vom Schwäher, mit 
ihm hinauszugehen, denn ich ertrage 
nicht die Trennung. 

25. Um des Meisters heiligen Feuers wil- 
len geht dein Sohn, der nicht abzu- 
haltende; abzuhalten wäre er, ginge er 
aus anderem Grunde in den Wald. 

c 



34 



26y Etwas weniger als ein Jahr bin ich 
nicht ausgegangen von der Einsiedelei; 
den blumigen Wald zu sehen ist vor- 
zügliche Wonne für mich. 

I 

Djumatserias. 

27. Seit Sdwitrt vom Vater mir als Schnur 
gegeben, erinnere ich mich keines Ver- 
langens, das sie ausgesprochen. 

28. Darum erlange die Frau den Wunsch, 
den sie heget; verirre dich aber nicht, 
Tochter^ mit Satjawdn auf dem Wege. 



29. Von beiden beurlaubt ging sie, die 

berühmte, mit dem Gatten lächelnd, 

aber mit bebendem Herzen. 
30« Mannigfaltigie und reizende Wälder, 

Von Pfauen durchtönte, sah sie die 

groisäugige. 
31. Und klarflutige Flüsse und blühende 

sehr herrliche Bäume. ,,SiehI" sprach 

ScOjawdn mit süfser Rede zu Säwi- 

tn. 



35 



32. Sie aber sah auf den Gallen beständig, 
die tadellose, denn todt glaubte sie 
ihn zur Zeit, des Sehers Rede geden- 
kend. 

33. Folgend dem Gatten ging sie die^ sanft 
gehende, wie zweifachen Herzen» uod 
gedenkend jener Zeit. " ■ ' 






Fünfter Ge^i^ng. 



1. Und von der Gattin begleitet sammele 
Früchte der starke, füllte damit den 
Korb und spaltet<^ Holis sodann.^ - 

2. Ihm, welcher Holz spaltete, erzeugte 
sich Schweifs, und durch die Ermü- 
dung entstand ihm am Kopfe Schmerz. 

3. Er nahete der lieben Gattin und sprach 
von Ermüdung gequält: Die Glieder, 
o Sdwitn, brennen mir gleichsam, und 
das Herz. 

4. Unwohl- fühle ich mich^ gemessen re- 
'aende! danun >/7Ünsche ich zu schlafen, 



» •> 



36 



Vortreffliche ! nicht habe ich Kraft zu 
stehen. ^ 

S. Es nabele Sdwitn, und trat zum Gat- 
ten, setzte sich nieder, und auf ihren 
Schools legte sie sein Haupt* 

6*. Da erinnerte sie sich der Rede des 
Ndradas ^ die fromme, dachte an Zeit, 
Tag, Stunde und Augenblick. 

7. Und zur Stunde auch sah sie einen 
Mann in. rothem Gewände, gelockt, 
schöngestaltet, spnnenähnlichen Glanzes. 

8« Schwarz und gelb, rothäugig, einen 

.\ Strick in der Hand, Furcht erregend, 
stehend zu Sat/awdns Seite ,und au^ 
blickend ihn. ... 

9. Ihn sehend stand sie schnell auf, nach- 
dem sie sanft des Gatten Haupt nie- 
dergelegt, und die Hände faltend sprach 
sie, die betrübte, bebenden Herzens: 
10. Einen Gott erkenne ich dich, denn 
diese Gestalt ist nicht menschlich. Sage 
' mir bereitwillig, Gott! wer bist du, 
und was willst du thun?. 



37 



Jaxnas. 

11. Du bist dem Gatten ergeben, «faiv/fn^ 
und auch mit Bufse begabt; darum 
spreche ich zu dir; wisse, Schöne! ich 
bin Jarnos. 

12. Erschöpft ist das Leben deines Gatten 
Satjawdn^ des Fiirstensohns; ihn will 
ich fortführen, gebunden; wisse, dies 
ist mein Yorhaben. 

Sdwitri* 

13. Man sagt, deine Boten kommen, die 
Menschen zu holen, warum nun bist 
du selber gekommen. Erhabener! 

14« So angeredet begann der König der 
Väter, der glückselige, sein ganzes Yor- 
baben, ihr zu Liebe, genau zu be- 
richten: 

15. Dieser «pflichtyerbundene, schöngestal- 
tete, welcher ein Meer ist von Tugenden, 
verdient nicht von meinen Leuten ge- 
holt zu werden; darum bin ich selbst 
her gekommen. 



-r 



38 



., 16. Aus dem Körper des Satjawan zog 
dann Jarnos mit Gewalt einen dau* 
mengrofsen Geist, mit einem Strick 
gebundenen, bezwungenen. 

17. Dann war entrückten Lebens, ent- 
wichenen Athems, zernichteten Glanzes, 
bewegungslos, jener Körper unllebllch 
zu sehen. Jarnos aber, der jenen ge- 
bunden, ging südwärts gekehrt. 

18. Und Sdwitri, die schmerzgequälte, 
folgte dem, Jamas, die mit Bezähmung 
und Enthaltung begabte, die glückse- 
lige, gattentreue. 

Jarnos. 

19. Kehre zurück, gehe, Sdwitri! verrichte 
dessen Todtenfeler. Gethan hast du 
was du dem Gatten schuldig, wie weit 
zu gehen ist, bist du gegangen. 

Sawitn. 

20. Wohin geführt wird mein Gatte, oder 
wohin selber er geht, dahin habe auch 



39 



Ich zu gehen; dies ist Pflicht, eine 
ewige. 

21. Wegen der Bufse, der Huldigung der 
Eltern, der Liebe zutn Gatten, und 
der Enthaltung, und wegdn deiner Gnade 
sei der Gang mir nicht verwehrt. 

22. Die wahrheitkundigen Weisen nennen 
Sdptapadam (siebenschrittig) die Freund- 
schaft; die Freundschaft also yoranstel- 
lend, will ich etwas sagen, dies ver- 
nimm! 

23. Nicht üben Unwissende im Walde 
Pflicht, Wahrheit und Duldung; aus 
Erkennung verkündet man die Pflicht, 
darum nennen die Guten die Pflicht 
das Höchste. 

24. Nach einer von den Guten erkannten , 
Pflicht folgen alle derselben Weg; kei- 
nen zweiten, keinen dritten gehe man] 
darum nennen die Guten die Pflicht 
das Höchste.*) 



*) Es ist schwer, aus der Verwirrung jier 
Lesaiten und der Erklärung dei* Scholiasten, bei 



40 



Jarnos. 

25. Kehre zumck^ ich bin erfreut durch 
deine schöngegliederte Rede. Eine 
Gnade wäl^Ie dir, aufsär dem Leben 
des Gatten, sonst gewähre ich dir jede 
Gnade, o Tadellose! 

Sawitri. 

26. Vom Reiche verjagt und zur Wald- 
wohnung gekommen und des Gesichts 
beraubt ist mein Schwäher in der Ein- 
siedelei. Es werde sehend durch deine 
Gnade dieser starke Fürst, der der 
strahlenden Sonne ähnlich. 

Jarnos. 

27* Ich gewahre dir. Tadellose, die ganze 
Bitte; so wie du gesagt hast, so wird 



dieser und der vorhergehenden Strophe sich mit 
Sicherheit herauszu winden. Meine Übersetzung, 
für deren vollkommene Richtigkeit ich nicht bürge, 
stützt sich auf die Lesart prat isra mam fdr p ra* 
tiirajam und gaJck'^ät für vanWe. 



41 



es seyn. Ich bemerke, wie dir be- 
schwerlich wird der Weg; kehre zu- 
rück, gehe ! dafs du Ermüdung nicht 
ertragest. 

Sdwitri. 

28. Wie sollte ich Müdigkeit fühlen in 
meines Gatten Nähe? Denn wohin mein 
Gatte geht, dahin gerichtet ist mein 
entschiedener Gang. Wohin du mei- 
nen Gatten führst, dahin geht mein 
Gang. Herr der Götter, vernimm wie- 
der meine Rede. 

29. Ist einmal mit Guten Zusammenkunft, 
wird eine andere gewünscht, und wie- 
der andere; ,,dies ist Freundschaft" sa- 
gen sie; und nicht ist fruchtlos die 
Zusammenkunft mit gutem Manne, 
darum bleibe man i4 dem Verein mit 
Guten. 

Jarnos. 

30. Das Herz labend und des Verstän- 
digen Verstand bereichernd ist die 



42 



•^••••kakav«**' 



Rede, so du gesprochen, die erspriefs- 
liche. Aufser dieses Satjawdns Leben 
wieder wähle dir eine zweite Gnade, 
Vortreffliche! 

V 

Säwitn. 

31. Genommen wurde vofinals meinem 
Schwäher, dem verständigen, sein 
Reich; dies erlange er zurück, der 
Erdherrscher, und es weiche nicht ab 
von seiner Pflicht mein Meister; diese 
zweite Gnade von dir wähle ich. 

Jarnos. 

32. Sein Reich wird er wieder erlangen 
in kurzem und nicht abweichen von 
seiner Pflicht, der Fürst. Da dein 
Wunsch nun erfüllt ist von mir, so ' 
kehre zurück, gehe! dafs du nicht Er- 
müdung ertragest. 



Sawitn. 
33. Durch dich sind die Geschöpfe mit 
Bändigung begabt, durch Bändigung 



43 



lenkst du sie, und nicht durch Wunsch, 
darum wirst du, o Gott, Jamas ge- 
nannt. Höre noch diese Rede, die 
ich spreche. 

34. Milde gegen alle Wesen in That, Geist 
und Rede, Beschützung und Freigebig- 
keit ist ewige Pflicht der Guten. 

35. So ist meistens diese Welt der Menschen 
mit Kraft gerüstet, die Guten aber üben 
auch gegen Feinde, die genaht sind, , 
Erbarmen. 

Jamds* 

36. Wie einem Durstigen das Wasser, so 
ist diese Rede, die du gesprochen; 
aufser dieses Satjawans iLeben wieder, 
wähle dir eine Gnade, o Schöne, die 
du wünschest. 

■ 

Säwitri. 

37. Ohne Söhne ist mein Vater, der Erd- 
herrscher, ein Hundert lieblicher, des 
Stamme^ Fortpflanzung gründender 



u 



Söhne werde zu Theil dem Vater; 
dies ist die dritte Gnade von dir, die 
. ich wähle. 

Jarnos • 

38. Ein Hundert glänzender, des Stammest 
Fortpflanzung gründender Söhne sei 
deinem Vater. Da der Wunsch dir 
gewährt, o Fürstentochter, so L^hre 
zurück, denn weiten Weg bist du ge- 
gangen. 

Sdwitri. 

39. Nicht weit ist dies in meines Gatten 
Nähe; denn weiter eilt mein Herz; 
aber so gehend vernimm ferner die 
angeregte Rede die ich spreche. 

40. Des Wiwas'wat Sohn bist du, der Er- 
habene, daher wirst du PVaiwaswatas 
von den Weisen genannt; nach gleichem 
Rechte beherrschest du die Geschöpfe, 
daher hast du, o Herr, den Namen 
Dharma-Bädschas (König des Rechts), 



45 



41. Nicht auf sich selbst setzt man so 
grofses Vertrauen wie 'auf die Guten, 
darum hegt ein jeder Neigung zu den 
Guten besonders. 

42. Aus Freundschaft zu allen Wesen ent- 
steht Vertrauen nämlich, dafum.aetzen 
die Menschen Vertrauen auf die Gu- 
ten besonders. 

Jarnos. 

43. Die Rede, welche du gesprochen hast, 
schöne Frau, solche habe ich au£ser 
von dir nie gehört; darum bin ich 
erfreut. Aufser dieses Sa^'awäns Le- 
ben wähle dir eine vierte Gnade, und 
gehe! 

44* Ein Hundert von mir selbst geborner 
und Satjawdns leiblicher Söhne, das Ge- 
schlecht fortpflanzender, starker, grofs- 
gelstiger, werde uns beiden verliehen; 
diese vierte Gnade von dir wähle Ich. 



46 



Jarnos. 

45. Ein freiidebringeiides Hundert Eraft- 

' und Muth- erfüllter Söhne wird dir 

werden, Frau! Ermüdung mögest du 

nicht ertragen, Fürstentochter i kehre 

< .zurück, denn weiten Weg bist du ger- 

• gangen. ' . 



Sa'witri. 

46. Den Guten ist stets ewiger "Wandel in 
der Pflicht, die Guten sinken nicht, 
sie leiden nicht, der Guten mit den 
Guten Zusammenkunft ist nicht frucht- 
los, vor den Guten gerathen nicht in 
Furcht die Guten. 

47 • Denn die Guten leiten durch Wahr- 
heit die Sonne, die Guten halten durch 
Andacht die Erde. Die Guten sind der 
Gang des Gewesenen und Zuseienden, 
o König, in der Guten Mitte sinken 
nicht die Guten. 

48. Von Ehrwürdigen wird, wohl unter- 
scheidend, diesem Wandel gehuldigt, 



47 



«••<««•«••<«•«• 



dem ewigen; die Oaten,' anderer Sadie 
thuend, sehen «ie • nicht auf Gfsgen- 
dienst« ...!*! 

49* Doch ist ni<^t umsonst die Gnade ge- 
gen die Menschen, nicht geht unter 
die Sache und nicht die Ehre. Weü 
diese Bändigungen den Guten ewig, 
darum sind die Guten die Erhalter« 

Jarnos n 

50« Jemehr du sprichst pfiichtgemäfses, herz- 
labendes, schöngegliedertes, gewicht^ 
volles, desto mehr steigt meine Liebe 
zu dir aufs höchste. Eine Gnade wähle, 
eine unvergleichbare, o Gattentreue! 

Sd'witn. 

« ... 

51. Du hast die Gabe der Wohlthätigkeit 
nicht beraubt, wie bei den anderen 
Gnaden; Ehregeber I Als Gnade wähle 
ich, ,,es lebe dieser Satjawän^^^ denn 
wie eine Todte bin ich ohne den Gat- 
ten, 



48 



• Mf 



I 

S2* Ich begehre ohne den Gatten kein Ver- 
gnügen , ich begehre ohne den Gatten 
nicht den Himmel; Ich begehre ohne 
den Gatten nichts Liebes, des Gatten 
beraubt Vermag Ich nicht zu leben. 

53. Die Gabe der htmdert Söhne, hast du 

. mir gewährt, und geraubt wird mir 

. der Gatte! Als Gnade wähle ich ,,es 

lebe dieser Satjawdn^^\ so wird wahr 

sejn deine Rede. 



ä4. r}J^" so ^di^XA und löiste den Strick der 
ff^iwaswatidec Janias^ der König des 
Rechts; erfreuten Gemüths sprach er 
zu Sdwitri: 

65. Dein Gatte ist von mir befreit, Heil 
dir, Erfreuerln des Geschlechts! Ge- 
sund und wohl wird, er seyn und 
glücklich. 

56. Und ein Alter von vier Hunderten der 
Jahre wird er erreichen mit dir, und 
durch Opfervöllbringung nach Pflicht 
wird er Ruhm erlangen in der Welt. 



49 



57« Mit dir wird hundert Söhne erzeugen 
Saijawdn, und diese werden alle Kö- 
nige sejn y Kschatrijas y Söhne und 
Sohnssöhne habende; 

58« Genannt nach deinem Namen werden 
sie seyn hier ewige Jahre« Deinem 
Vater werden hundert Söhne zu Theil 
mit deiner Mutter 

59. Malawi, MdUiwd's mit Namen, mitewi- 
ger Nachkunft, Sohlte und Sohnssöhne 
habende. Deine Brüder werden Kschor 
trijä's seyn, den Göttern ähnliche. — 



60. Nachdem ihr so die Gnaden gewährt 
hatte der König des Rechts/ der erha"- 
bene, und zur Rückkehr bewogen Sä^ 
wärt, ging ßv zu seinem Pallaste. 

61. Sdwitri aber, nachdem Jarnos gegan- 
gen, ihren Gatten wieder erlangt ha- 
bend, ging sie dahin wo ihres Gatten 
todter Körper. 

62. Auf der Erde sehend den Gatten, trat 
sie hinzu, fafste ihn, und auf ihren 

D 



50 



' . Schoofs seih Haupt hebend , setzte sie 
• sich auf die Erde. 

63. Und Besinnung erlangte iSlsf/aiv^n^ und 
sprach zu Sdwitri, wie von einer Reise 
i^urückgekehrt) mit Liebe aufblickend 
wieder und wieder. 

Satjawdh. 

64. Sehr lange habe ich geschlafen, warum 
hast du mich nicht geweckt? Wo ist 
jener Mann, der schwarze, welcher mich 
fortzpg. 



Sawitn. 

65. Sehr lange hast du geschlafen auf mei- 
nem Schoofs, Herrscher der Männer! 
Weggegangen ist der glückselige Gott, 
der Bändiger der Geschöpfe Jamas. 

66. Frei von Müdigkeit bist du. Glückse- 
liger, und ohne Schlaf, o Fürstensohn! 
Wenn du es kannst so stehe auf, sieh 
die finstere Nacht. 



51 



•*•• 



67« Satjawän zur Beainhung gekommen, 
und aufgestanden wie nach vergnügtem 
Schlaf, alle Weltgegönden und Richtun-r 
geu des Waldes überschauend sagte er: 

68» Früchte zu holen j bin ich ausgegan- 
gen mit dir, o Schlanke ^ und *dem 
holzspaltenden entstand Köpfschmerz 
mir. 

69. Von Kopfschmerz gec[uält und unfähig 
lange zu stehen schlief ich ein auf 
deinem Schoofse, all dessen : erinnere 
ich mich, Schöne! 

70. Dem von dir gehüteten wurde entrückt 
vom Schlafe der Geist. Dann sah ich 
einen durch finsteres Ansehen schreck- 
lichen, gewaltigen Mann. 

71. Darum, wenn du w^eifst: was dieses 
t war, so sage es, Schlanke! Wurde im 

Schlafe jener von mir gesehen? oder 

ist es Wahrheit^ 

' •* 

72. Zu ihm sagte dann Säwüri: Die Nacht 
verfinstert sich, : morgen werde ich al- 

D* 



52 



les, wie es sich zugetragen, dir erzäh- 

> 

len, o Fürstensohn! 

73* Stehe auf, istehe auf, Heil dir! Sieh 
die Eltern o Frommer! finster ist diese 
Nacht und untergegangen die Sonne* 

74. Die Nachtwanderer wandeln umher 
freudig, die furchtbarsprechenden; man 
hört das Rauschen des Laubs von den 
im Walde laufenden* Thieren. • 

75. Diese Schakale , nach südlicher und 
• westlicher Weltgegend gewendet, heu- 

len gräfsliche Töne, die schrecklichen, 
mir das Herz erschütternd« . ^ 

Satjawän. 

76. Der Wald ist furchtbar anzusehen, in 
schreckliche Finsternifs gehüllt; du 
wirst den Weg nicht erkennen und zu 
gehen nicht im Stande seyn. 

Sdwitri» 

77* In jenem heute verbrannten Wald 
steht flammend ein dürrer Baum; vom 



53 



Winde auge&c^t siieht man dort Feuer 
überall. 

:78, Van dort F^uer holend werde ich lo- 
dern machen die Flamme; hier ist 
. Holz; überwältige deine Betrübnifs. 

79* Wenpt du nkbt zu gehen/ im Stande 
bist» -T- denn ich seh^ du bist krank, 
lind wirst den Weg nidit erkennen,, da 
in:.FinßtiBi*ni& gehüllt ist der Wald, — 

80* So wollen wit morgen frühe bei sicht- 
barem Walde aürückkehren, nadi dei- 
nem Gutdünken. Bleiben wir hier diese 
Tracht, wenn es dir gefielt, o Sündeloser! 

Satjawän» 

Sl. Der Kopfschmerz ist verschwunden, 
ich fühle wohl die Glieder; mit Va- 
ter, und Mutter zusammenzukcnnmen 
wünsche ich, durch deine Gunst. 

82. Niemals kehrte ich vordem in der Däm- 
merung zur Einsiedelei; noch ehe der 
Abend genaht ist verlangt mich zurück 
tneine Mutter. 



54 



'M< 



83. Auch wenn icb bei Tage ansgebe, gra- 
men sich meine Eltern, und es 'sucht 
mich meineiVfutter mit den Bewohnern 
der Einsiedelei. 

84* n^u kommst spät! " so Wurde i(^h yor- 
. mals' von Mutter und Vater, 'den sehr 
betrübten, recht oft getadelt»* ''- 

8S.'=,iWie wird ib)* Zustaind meinetwegen 
beute «eyn?" so denke' ich;' den» mich' 
• nicht sehend we^deä betd^ ^grofsen 
Kummer empfinden. ' > - 

86.' Vormals sagten sie auch ^ü^ii?, in der 
Nacht aufgestanden, die beiden ^fileini- 
gen, sehr betrübt, die Alten, und recht 
von Zärtlichkeit gedrängt: 

87. ,, Deiner beraubt würden wir nidit le- 
ben einen Augenblick selbst^ d^Söhn- 
chen! so lang du lebest, l$ohn, solang 
ist uns gewifs das Leben. >•' 

88. Du Stütze der beiden Aken uöd BHti- 
den! auf dir beruht das GescÜecht, 
und auf dir die ' Ahnen$pende ^ und 
der Ruhm und die Nachkommensehaft.'^ 



55 



89. Die Matter ist alt, der Vater auch 
blind, ihre Stütze bin ich fürwahr; 
in der Nacht mich nicht sehend,, die 
beiden, in welchen Zustand werden sie 
gerathen? . — 

90. Den Schlaf verwünsche ich, dvircb den 
mein Vater und die Mutter, die nicht 
beleidigende, meinetwegen in Besorg- 
nifs gerathen, 

9.1. und ich in Besorgnifs gerathen bin, in 
dies wehvolle Unglück gestürtzt. Von 
Valer und Mutter verlassen bin ich zu 

'.' . ■ ■ * 

leben nicht im Stande. 

92. GewiiTs fragt zu dieser Zeit. mit ver- 
wirrtem Geiste mein blinder Vater ei- 
g- 
nen ^ach dem andern von den Ein- 
siedelei - Bewohnern . 

93. Nicht mich beklage ich, wie den Vater, 
o Schöne, und die dem Gatten folgende 
Mutter, die sehr schwache. 

94. Meinetwegen werden sie heute gewal- 
tigen Kummer ertragen. Mit ihnen 
den lebenden lebe ich, ,,zu erhalten 



56 



Sind sie von mir" denkend, und Lie- 
bes habe ich ihnen zu erweisen; auch 
dies erkenne ich. 



95. So sprach der pflichtbedachte, die El- 
tern liebende, von den Eltern geliebte; 
die beiden Arme emporstreckend weinte 
er laut, von Schmerz gequält. 

96. Dann sprach, so sehend von Kummer 
gequält den Gatten, Sdwitri diepfl^icht- 
übende, trocknend dieTrähnen aus den 
Augen: 

97. Wenn ich Bufse' gebüfst habe, wenn 
ich gegeben, wenn ich geopfert habe, 
so sei der Schwähe^rin, dem Schwäher 
und dem Gatten eine glückliche Kacht. 

98. Ich erinnere mich keiner unwahren Rede 
vormals gesprochen von mir, in freier 
Lage selbst; bei dieser Wahrheit mögen 
leben heute meine Schwiegereltern. 

Satjawdn, 

99. Mich verlangt nach dem Anblick der 
Eltern, gehe Sdwitri imgesäumt! ehe 



57 



Ich sterbe, wenn ich der Mutter oder 
des Vaters Leid selie; in Wahrheit, 
Schönhüftige, ich tödte mich. ' ^ i 
100. Wenn an der Pflicht haftet dein Geist, 
wenn du willst dafs ich lebe und Lie- 
bes mir zu erzeigen hast,' so lafs uns 
gehen zur treulichsten Einsiedelei. — 



101. Sawitri stand auf sodann, und nach- 
dem sie die Haare zusammengebunden, 
hob sie auf den Gatten, mit den Ar- 
men ihn umfassend. 

102. Nachdem aufgestanden A^^'aw^^ strei- 
chelte er sich die Glieder mit der 
Hand, und alle Weltgegenden über- 
schaut habend heftete er auf den Korb 
seinen Blick. 

103. Zu ihm aber sagte Sdwitn: morgen 
wirst du die Früchte holen, zur Si- 
cherheit aber werde ich mitnehmen 
dein Beil. 

104. Die Korblast hing sie sodann an ei- 
nen Baumzweig, nahm das Beil des 



58 



Gatten und trat wieder in die lichte 
Gegend^ 1 

10i>. Auf die linke Schulter legte sie, die 
schöne, des Gatten Arm und mit Aet 

\ Rechten ihn umfassend, ging sie die 

.: sahflgehende. • . 

" . >. ■ . ' 

Satjawdji, 

J06. ; Weil . ich >.oft. hierhergekommen , o 
.:.:.. '.liebe, sind diese Wege mir befkannt; 

b^i dem Mondlicht, das durch die 

Bäume scheint^ sehe, ich : 

107. durch weldien Weg. wir gekommen 
* sind, und wo wir die Früchte gesam- 
. • mdt. Gehe, Schöne! den Weg den 

wir hergekommen ,'* und zögere nicht. 

108. Bei diesen Paia^a-Bäümen theilt sich 
. der Weg, der weldier nördlich geht, 

dem folge, eile! 
109« Ich bin wohl, ich bin stark, ich sehne 
mich die Eltern zu sehen, die beiden. 
So sprechend ging er, der eilige, auf 
die Einsiedelei zu. 



j 



59 



•••••••••••••• 



. • ■ . v » 



Sechster Gesang. 



1. Zu dieser Zeit aber yfK£ Ljumatsenas, 
der starke, sebend geworden und bei 
• bellem Gesichte 3a^h'eif;älle&... 

2« AIle<£insiedeleien besuidiend mit^aiivjra 
seiner Gattin, sehr betreibt wegdn des 
Sohnes ging er umher,- -oFur^ der 
Männer! :i 

3«* Einsiedeleien, Fltissey Wälder und Teiche 
aufsuchend, wandevten*^ sie umher in 
der Nacht ' die beiden, Gattiii« und 

4. Hörten sie* irgend ein. 6e;iräusch, so 
streckten sie empor, den Sohn v^rmu- 
thend, das Antlitz: ,,von SdwitH be- 
gleitet kommt Satjawänr so sprachen 
sie. 

5. Durchbohrt von PunwcAaV, voUWuAi- 
den und mit BlutbesprutztdieFüfse, von 
Äu5a-Gras und Dornen zerstochen die 
Glieder, liefen sie besinnungslos umhel*. 



60 



6. Ihnen nahten die Brahmanen alle, 
Welche die Einsiedelei bewohnten, um- 
gaben sie und trösteten sie und führ- 
ten sie zurück zur Wäldwohnung. . . 
?• Dort wurde Djwnatsena^f von der 
Gattin begleitet,' und umgeben yon den 
'\ andächtigen Alten durch mamiigfaltige 
' . Erzählungen von früheren Königen auf- 
. .!< geheitert.. « . ■.,,..- 

8. Aber die beiden Allen, die beruhigten, 
aus Sehnsucht- nach' dem Sohne^ dessen 
Thaten . der. Kindheit gedenkend, wur- 

,; ; den sie wieder sehr betrübt. 

9. Wieder sprachen sie klägliche Rede, 
t die. .beiden, von Gram überwältigt: 

. yykiAi^ Sohn! ach gutes Weib! Wobist 
du? wo bist du?" so schrien sie« 

Der ^vdLhiTXidLVL Sawartschas, 

10. So wahr seine Gattin Sdwitri mit 
Bufse, Bezähmung und frommem Wan- 
del verbunden ist, so wahr lebt Sat- 
jawdn. 



61 



Gautamas. ' 

11. Die WedaV und Anga's habe ich ge- 
lesen, und grofse Bufse geübt, in der 

■ 

Jugend keuschen Wandel geführt, die 
Gurus erfreut und das Feuer. 

12. Alle Gelübde habe ich sorgfältig er- 
füllt, Fasten habe ich beobachtet, nur 
von Wind lebend, immer der Vorschrift 
gemäfs. 

13. Durch diese Buise kenne ich jedes Vor- 
haben; du aber vernimm diese Wahis 
helt: ,,es lebt SatjawdnP^ 

Ein Schüler. 

14. So wahr die Rede, die mir sinnendem 
aus dem Munde hervorgeht, niemals 
falsch ist, so wahr lebt Satjawdn* 

Die Weisen. 

15. So wahr seine Gattin Sdwitn mit al- 
len guten Merkmalen, untrüglichen, 
verbunden ist, ^o wahr lebt SaijO' 
wärt. 



62 



•••• 



Bharadhwädschas. 
16. So wahr seine Gattin Sdwitn mit 
Bufse, Bezähmung und frommem, Wan- 
del verbunden ist, so wahr lebt Sa- 

tjawän, - 

• 

Ddlas. 

17« So wahr dein Gesicht zurückgekehrt, 
so wahr Säwitn ihr Gelübde erfüllt 
hat, so wahr sie der Nahrung sich 
enthalten: 90 wahr lebt Saljawän. 

Mdndawjas. 

18. So wahr in der ruhigen Gegend Wild 
und Vögel schreieii, und du fürstlichen 
'Wandel führst, so wahr lebt Satjawdn. 

' Dhaumjas. 

19. So wahr mit allen Tilgenden begabt 
dein Sohn, der Liebling ^er Leute, 
und mit den Wahrzeichen langen Lebens 
versehen, so wahr lebt Saljawän. 



63 



20. So getröstet von diesen wahrheitspre- 
chenden Büfsem, dies und jenes über- 
legend, war er wie unbeweglich. 

21. In diesem Augenblicke kam Sdwitrt 
mit Sütjawän dem Gatten zur Einsie- 
delei, und freudig trat sie herein. 

Die Brahmanen. 

22. Mit dem Sohne vereinigt und im Be- 
sitze des Augenlichtes dich sehend, 
fragen wir alle nach deinem Glück, o 

- Herr der Ei'de! 

23. Durch die Ankunft des Sohnes wid 

■s. 

den Anblick der Sdwitti und. die 
Erlangung des Gesichtes bist d«i mit 
dreifachem Heil beglückt. 

24. Wie wir alle gesagt haben, so ist es 
ohne Zweifel;^ mehr und mehr wird 
schnell dein Glück gedeihen. 



25. Hierauf setzten sich sammtlich die Brah- 
manen, welche Feuer angezündet hatten, 
um Djumatsenas den Erdherrscher. 



64 



26« Saiwjd aucli und Sätjawdn und Sd-- 
witriy welclie allein standen, yon allen 
aufgefordert setzten sie sich nieder, 
. frei von Kummer. 

27* Dann fragten mit dem Könige bei- 
sammen sitzend die Bewohner des Wal- 
des alle freudig, o Kuntide, den Sohn 
des Fürsten: 

28. Warum bist du nicht früher zurück- 
gekehtt mit der Gattin, o Herr? 
Warum kommst du In später Nacht? 
Welch ein HIndernIfa hielt dick ab? 

29. Betrübt war dein Yater und deine 
Mutter und auch wir, o Fürst! Warum 

. zögertest du? Wir wissen es nicht; 
darum wollest du uns alles sagen. 

Sa^awdn» 

30. Vom Vater entlassen ging Ich aus, von 
Sdwitri begleitet, dann fühlte Ich Kopf- 
schmerz, indem ich Holz spaltete im 
Walde. 



65 






31. Ich schlief, weis Vcht wie; lang; nur 
dies weis ich, so lange Zeit habe Ich 
nie vordem geschlafen. 

32. Ihr alle aber müfst euch nicht betrü- 
ben! darum die Rückkehr in später 
Nacht, hier ist keine andere Ursache. 

f ' 

Gautamas. 

33. Plötzlich erlangte das Gesicht Vjumat- 
senas dein Vater; davon weifst du 
nicht die Ursache« Sdwitri wolle es 
sagen, 

34. Ich wünsche es zu hören, Sdwitri! 
denn du kennst das Vergangene uiid 
Zukünftige; ich weis du bist, Sdwitri! 
glänzend wie Sdwitri. 

35. Du kennst die Ursache hiervon, darum 
sage uns die Wahrheit; wenn du hier- 
bei nicht irgend ein Geheimnifs hast, 
so sage es uns. 

Sdwitri^, 

36. So ist es, wie du weifst^ eure Gesin- 
nung ist nicht £alsch ; nicht habe ich 

E 



66 



«^••••»•••M« 



. irgend eia Geheimnifs; höret was die 
Wahrheit ist, 

37« Der Tod des Gatten war mir verkün- 
det von Ndradas dem grofsen Seher, 
der Tag ist heute gekommen, darum 
yerliels ich diesen nicht. 

38« Dem schlafenden nahete Angesichts 
Jarnos mit seinen Dienern, er führte 
ihn gebunden nach der von den Vä- 
tern bewohnten Weltgegend. 

39. Ich aber pries den Gott mit wänrhafter 
Rede, den vortrefflichen; fünf Gnaden 
wurden von ihm mir verliehen, ver- 
nehmt sie von mir: 

40. Das Gesicht und sein Reich, dies sind 

die beiden Gnaden des Schwähers; dem 

Vater wurden* gegeben hundert Söhne 

• "/ ' • • • 

und mir ein Hundert der Söhne. 

41. Und Satjawaii wurde erlangt von mir, 
mein Gatte, dem vierhundertjährige 
Lebensdauer verliehen ; denn um des 
Gatten Lebens willen habe ich gelölst 
das feste Qelübde. 



67 



!•••••• 



42. Die wahre Ursache habe ich verkündet 
euch ausführlich, so wie es sich zuge- 
tragen; frohe Zukunft hat mir gebracht 
dies grofse Leid. 

Die Weisen. 

43. Das* in einen finsteren Abgrund ver- 
sunkene, von Mühsalen bestürmte Ge- 
schlecht des Fürsten der Männer wurde, 
o Gute! von dir, der tugendhaften, 
mit Bufse und Bezähmung verbunde- 
nen, edelen wieder empor gehoben. 



44* Nachdem so die versammelten Weisen 
gepriesen und geehrt hatten die vor- 
treffliche Frau, und den Fürsten der 
Männer gegrüfst nebst seinedi Sohn, 
gingen sie mit glücklicher Eile freudig 
zu ihrer Wohnung. 

Siebenter Gesang. 



rr 



1. Als verflossen die Nacht^ und auf- 
gegangen: die Sonnenscbeibe, kämen, 



68 



nach YoUbrlngung der Morgenbräucbe 
sämmtlich zusammen jene Büfser. 

2. Die grofsen Weisen aber sättigten sich 
nicht der Sdwitri ganze Glückseligkeit 
dem Djumatsenas zu erzählen. 

3. Hierauf kamen von Salwa alte Unter- 
thanen, o Fürst ! und berichteten, dafs 
getödtet sei von seinem Rathe jener 
Feind. 

4. Die erfahren hatten, dafs er getödtet 
sei von dem Rathe nebst Gefährten 
und Verwandten, meldeten, wie es 
sich zugetragen, die Zerstreuung des 
feindlichen Heers. 

5. „Eine Gesinnung war dem ganzen 
Volke gegen den Fürsten: Entweder 
sehend oder blind sei er unser 
König! diese. 

6. Mit diesem Entschlufs wurden wir her- 
gesandt, o Fürst! Gekommen sind diese 
Wagen und dein viergliedriges Heer. 

7. Komm, König, es sei Heil dir! froher 
Sieg ist in deiner Stadt: Besitze auf 



69 



lange Zeit das väterlich -grofsyäterliche 
Land!''- 

8.- Bemerkend, dafs sehend war der Ko- 
nig und mit Schönheit begabt', fielen 
sie nieder sämmtlich mit dem Haupt, 
vor Staunen weit öffnend die Augen. 

9. Der König aber neigte sich vor den 
alten Brahmanen, den Bewohnern der 
Einsiedelei, und von ihnen allen ge- 
ehrt ging er zu seiner Stadt, 

10. Und auch Saiwja mit Sawitri; auf 
einer grofsen, sehr gläüzenden von , 
Männern getrageneäi Sänfte ging er, 
umgeben von dem He6l:e* 

11. Dann weihten durch Besprengung freu- 
dig den Djumatsenas die Opferpriester, 
und den Sohn auch, den grofägei^tigen 
besprengten sie zur Trohnfolge. 

12. Hierauf wurde geboren nach langer 
Zeit, von Sdwitri^ jenes Ruhm -meh- 
rende Hundert heldenmüthiger, nicht 
weichender Söhne. 

13. Leiblicher Brüder auch wurde ihr ein 



70 



rüstiges Hundert, Aswapatis des Ma- 
drasfürsten Söhne mit Malawis 

14. So wurde sie selber, Vater, Mutter, 
Schwäherin und auch der Schwäher, 
und des Gatten ganzes Geschlecht von 
Sdwiui aus der Noth befreit. 

15. So wird auch diese vortreffliche Sdwitri, 
die durch Tugend geachtete, euch retten 
alle, wie Sdwitri die edle Frau. 

' TVaisampdjanas sprach: 

16. So wohnte der Pdnduide vom Grofs- 
geistigen (Märkhandejas) gegrufst ohne 
Kummer und ohne Beschwerde, o Kö- 
nig, im Känyaka'-'WalAe, 

17. Wer aber hört mit Liebe diese herr- 
liche Geschichte der Sdwitri, vergnügt, 
im Besitze aller vollkommenen Dinge, 
bleibt frei von Schmerz ein solcher 
Mann. 



^»<p#' 



Raub der Draupad 



%/*/*/yv*/%^ 



Erster Gesang. 



1. In dem wildrelchen Walde Kdmjdka 
umherwandelnd freuten sich die gro&en 
Helden, die TreiDicbsten des Bhärata^ 
Stammes, wie Unsterbliche; 

2. Yielerlei Waldgegfsnden seihend, in al- 
len Richtungen, und anmuthige Baume, 
schönltlühende, der Jahrszeit : gemäfs. 

3. So freuten sich die Pänduiikn^ die 

« 

Jagd-lustigen, durebstx^ifendden grofsen 
Wald, einige Zeii lang^ die Indras-z 
ähnlichen Feindhändiger« 

4. Dann gingen sie gleichzeitig alle nach 
den vier Weltgegc^nden hin , um zu 
jagen, die Mann -Löwen, nufdesBrah- 
manen Wort, die Quäler der. Feinde. 



/ 



72 



5* Draupadi Hefsen sie in der Wald Woh- 
nung zurück auf Trinawindus Rath, 
des grolsen Weisen von strahlender 
Andacht, und Dhaumjals des Opfer- 
priesters. 

6. Damals war der König von Sindhu, 
PFdrdha-Kschatris yoTL grofsem Ruhm, 
der Yermählungs-gierige.zum Lande 
Sdlweja aufgebrochen ; 

7. In einem gfofsen königlichen Gewände, 
mit vielen Fürsten zugleich, nahete er 
dem Walde Kdmjäka. 

8. Hier sah er die liebe Gattin der Pdn^ 
diiiden, die ruhmvolle Draupadi, ste- 
hend an der Waldwohnung Thure in 
;der menschenlosen Wildnifs ; 

9« GlSnzend von Körper, vereinigend die 
höchste Schönheit und erleuchtend die 
Waldgegend wie eine schwarze Wolke 
d^r Blitz. 
10. ,,*Eine ^ Apsaras, /oder eine Gottes - 
^Tochter, oder ein Zauber von einem 
Gotte gebildet !'' so dachten aüe, mit 



73 



••<«•«'• «»«iMa 



gefalteten Händen, indem sie sahen die 
tadellose. 

^1« Aucli der König yon Sindhu, fVärdha- 
Kschatris Dschcqad-RathaSy war erfreut 
als er die scfaöngliedrige saSi, dieser 
scblechtgeistige. < 

12* Und zu Kotikas" dem Ftirsten sprach er 
liebe trunken: ,,Wem gehört diese scbön- 
gliedrlge? Oder ist sie nicht von mensch- 
licher Abkunft? 

13. Kein Grund ist zur Vermählung mehr, 
wenn ich diese überschöne erlangt habe. 
Diese werde ich farwahr rauben, und 
dann zurückkehren zu meiner Woh- 
nung. 

14. Gehe, erkundige dich, Lieber! wem sie 
gehört,* oder woher sie ist? weshalb sie 
gekommen, die schönäugige, zu diesem 
domichten Wald. 

15. Sollte wohl die schönhüftige, wenn sie 
mich sieht, die reizende, mich lieben, 
die großäugige , schönzähnige , von 
schlankem Leib? ^ 



71 



16. Fürwahr ich hätte alle Wünsche er- 
reicht durch die Erlangung der trefT- 
liehen Frau. . Gehe, erkundige dich, 
wer ihr Gebieter ist, o KötiJuis!" 

17# Kotdias, als er dies yernoinmen, sprang 
vom Wagen der mit Armbändern ge- 
zierte, und, als nabele ein Schakal ei- 
ner Tigerinn, so trat er hinzu und 
fragte. 

Zweiter Gesang« 



, Kotikas. 

1. Wer bist du, einsam, in der. Einsiede- 
lei stehend, einen Kadamba -Zyveig 
haltend, glänzend, hell leuchtend, yrie 
in der Nacht eine Wind-belegte Feuer- 
flamme^ du Schönbrauige? 

2. Übermäßiger Schönheili voll, fürchtest 
du dich nicht in den Wäldern? -"^ Bisft 
du eine Göttin oder Jakschin oder Da- 
nawin? eine yortreilliche jipsaras^ oder 
eine yortrefiliche Daitja^FTdLVi'! 



75 



3. Odelr eine schöne ; Schlangenkönigs - 
Tochter, oder eine waldwandelnde 
Nachtwanderers Frau? Oder bist du 
des Gottes TVarunas^ ^Gattin, oder des 
Jarnos'? des Somas? des Reichthums- 
fürsten? 

4* Des Brahma? des Kasjapas? des Sjir^ 
jas? oder des PTischnus? oder bist du 
aus Indra's ^"Psi^isl gekpmmen? Denn 
du fragst uzis nicht wer wir sind; wir 
aber kennen nicht deinen Gebieter. 

5. Wir also, deines Ruhms Yermehrer, 
fragen dich, Edle! nach dei^iem Stamm 
und Herrscher. Die Verwandten nenne, 
und den Gatten, und das Geschlecht, 
der Wahrheit nach, und was för ein 
Geschäft du hier vollbringst. 

6. Ich aber bin des Königs Surathas Sohn, 
und Kotikas nennen mich die Men- 
schen. 

7. Jener dort, welcher auf einem gold- 
gliedrigen Wag^n steht, wie Agnis auf 
einem Scheiterhaufen, Trigarta'^ König 



% 



•••••••••»•••• 



ist dieser Held mit den gröi&enliOti^s-Aur 
gen, und Kschernankafas ist s^in Name. 

8« Jener groise Bögenträger hiiiter ihm 
ist dier Sohn des Äafi>ig:a-<3ebieter8, 
der yortrefilicbe; ' erstatmt sieht er dich 
an der grofsäugige Bergbewohner* 

9. Jeüer aber, welcher dort an dem Lo- 
tus-Teiche steht, der dunkele sehens- 
' würdige Jüngling, Subatas, des Iksch" 
wa/^zi- Königs Sohn ist dieser Schläger 
der Feinde, der schöngliedrige« . 

10. Jener, in dessen Heer zwölf Konigsr 
söhne vom tSkwira- Stamme als Stan- 
dartentrager adehen , sämmtlich auf 
Wagen, mit braunen Pferden bespann- 
ten, wie Feuergötter auf Brandopfern: 

11. Angdrdkas^ Kundscharas , Guptakas, 
Satrundscliajas, Srindschajas und Su^ 
prawiddhas, Bhajankaras, Bhramaras, 
Rawis, Süras, Pratdpas und Kuhanas 
mit Namen. 

12. Er^ dem sechs X^usende auf Wagen 
folgen, Elephanten und Pferde ferner 



77 



und Fufsvolk, Dschajadrathas mit Nä* 
men, wenn da, o GlticLIIcIie, von ihm 
gehört hasty der iSViutvira- König ist 
dieser. 

13. Seine Brüder die wohlgemutheten, Ba- 
Idhakas, Amka-'Widdranas nnd die 
anderen , die Helden d^r Suwinden, 
die yortrefllichen Jünglinge, die^islar- 
ken, folgen ihm dem Könige. 

14. Mit dieseti Begleitern naht er^ der 
König, wie von den Winden umschii*mt 
Indras. Den Unkundigen uns ver- 
künde, Schönhaarige, wessen Gattin 
du bist und wessen Tochter?# 



Dritter Gesang. 



1. Dann sprach Draupadi die Königs- 
tochter, gefragt von dem vortrefiUchsten 
der Siwiden, schüchtern, aufblickend, 
loslassend deii! Zweig - und . xusammen- 
haltend däö äiata- Gewand: 



78 



2. ,,Im Geist erkenne idi, o Fürsten- 
Sohn, nicht ziemt meinesgleichen dich 
anzureden; nicht auch wird reden 
deine Rede hier ein anderer Mann 
oder Frau. 

3« Soll ich allein seyend jetzt Rede sie* 
hen, o Edler? bedenke dies! Wie kann 
ich meiner Pflicht bedacht im Walde 
allein zu dir allein sprechen*? 

4* Dodi weis ich, du bist SurathasSohnj 
welchen Koiikas nennen die Menschen, 
darum nenne ich demohngeachlet die 
Yerwandlen dir, und das berühmte 
GescUecht. 

S. Die Tochter des Königs Drupadas bin 
idi; Knsdnd nennen mich, o Stwide, 
die Menschen* Ich habe fünf Min- 
ner gewählt zu Gatten, die nach Ekdn- 
dtma^prasMha gtisomwat^ wk dn ei^ 
fiJrai liast% 

€» AMflUscftcftnWy HututsAMo wui Jif*^ 
>#nlwni. «na der JAh&i mct Sölue, 
dielKilwIitilaiderllteMr. Mkh 



79 



•••••••#•••••• 1 



hier zurücklassend sind sie, in die vier 
Weltgegenden sich theilend, zur Jagd 
gegangen; 

7. Nach Osten der König, südwärts Bhi- 
• mos, Ar^schunas nach Westen 9ind 

die Zwillinge nach Norden. Ich glauhe 
aher die Zeit der Rückkehr dieser 
Trefflichsten der Helden ist nahe- 

8. Von ihnefn geehrt werdet ihr>scheiden 
sodann nach Wunsch* Steigt ab und 
spannet aus die Pferde! Gastfreundlich 
ist des Z>Aar/na5 Sohn, der groisgeistige, 
er wird erfreut seyn euch zu sehen. 



9. Dies sprach zu . dem Siwiden die 
Tochter Drupada's mit dem. Mond- 
Gesicht, die berühmte, und trat ein 
in die hehre Laubhütte, denkend auf 
jener Bewirthung. 



8Q 



Vierter Gesang. 



1. Indem die Könige sämmtlich da safsen, 
.berichtete Kotihas alles, was er mit 

Krischnd gesprochen. 

2. Und es sagte, seine Rede gehört, zum 
Siwiden der Suwif;akide (Dschjadra" 
:th(zs)t 

3. Da mein Herz sich erfreut indem jene 
Rede spricht, ' die vorzüglichste der 
Frauen, wie konntest du zufückkeh- 
ren? 

4. Da ich diese gesehen, erscheinen mir 
wie Auen die anderen Frauen, diese 
Wahrheit sage ich dir. 

S.> Durch den Anblick fürwahr ist das 
Herz mir gänzlich von ihr i geraubt. 
Berichte mir von der yortrefOichen, 
ob sie, Siwide! von menschlichem Ge- 
schlechte ist. 

Kotikas. 

6. Es ist Krischnd die Königstochter, die 



81 



berühmte Draupadiy der fünf Pandas^ 
Söhne sehr geachtete Gemahlin, 
7* den sammtlichen Äu/it^- Geborenen lieb 
und werth, die gute; mit ihr verel- 
vnigt, o Suwiride, kehre zurück zu dem 
&$auW/vs - Lande. 



8. Dies yemolnmen, antwortete des Sau- 

ivira-Sindhu-Ijandes Beherrscher Dscha^ 

jadrathas von scUedbtem Gemüthe: 

,,tVir wollen sehen die Draupadi.^^ 

9. Hinein trat er sodann in die reine 
Einsiedelei, wie in eine Löwen-Schlucht 
ein Wolf, selber der siebente, und zu 
Krischnd sprach er hierauf: 

10. Es sei Heil dir, Schönhüftige! sind 
deine Gatten wohl? Sind diejenigein 
wohl, deren Heil du wünschest? 

Draupadi. 

11. Ist dir Heil, o König? Steht es gut 
mit Reich, Schatz und Heer? 

F 



82 



*ff* 



12. , Herrschest du, '^fiichtgemäfs äUein von 

den Szwiden über Sauwtra und Sindhu 
und was sonst du besitzest? — r 

13. Der König vom Ä'uru- Stamme ist 
wohl, der Sohn der Kunä, Jud/Usch-' 
ihiras; auch ich Und seine Brüder, 
und die anderen nach welchen du 
fragst, 

14. Nimm diese Fufswaschung und ei- 
nen Sitz, o Fürsten-Sohn! ^Quf hun- 
dert Antelopen gebe ich zur Morgen - 
Mahlzeit dir. 

15. AinejaSy Gazellen, Njankus, Hirsche, 
SarahhaSy Has^n, Bären, RumSt Sam" 
haraSf wilde Ochsen, vieles Wild, 

16« Eber, und auch Büffel und was es für 
andere Thier- Arten gibt, wird selber 
der ÄJEi/itf - Sohn Judhischthiras dir 
. geben. 

Dschcqadraihas, 

17. Heil dir! alle Arten von Morgen - 
Speise wünschest du zu geben -mir« 



/^ 



a3 



f^f^tfffP^M» 



Koiiim^ steig aiof mehie]]^ Wagen, imd 
erlapge: ToUkommenii :Freii4et, . 

18. Den yom Glücke verUMepeül des 
Reichs bemtibtea«- elendefi«^ sianloaäii^ 
im Wa}de Tvobnenden Söhnen; dcar jSunli 
mulst da nicht huldigen« . \; . 

19. Verständige Franen lieben nicht einen 
vom Glücke verlassenen GemaU; den 
glücklichen lieben sie, bleiben aber 
beim Untergange des Glöd^es nieht«: 

20. Des Glückes beranjbt aiqd jei^^.uiid des % 
Reichs, verloren sind sie.4mf jewige 

Jahre* W^ mit der.Lidbe der P^''^ 
Söhne, um Mühsal in ertraeen! • 

* . t 

21« Sei meine Gattin, Schönhnftige! ; Ver- 
lasse jene,, erlange Freode, und das 
ganze Land von «Siiiuäbi. m^^oB^^ 
mit mir zugleich! ,y^V 



22. So angeredet yom «SfiuZfai-KSnig mit * ^ 
herzerschütternder Rede, trat Krisch^ 
zurück von jener Stelle mit geiuüchter 

Stirn. . . ^ 

F** 



84 



Vana'b«'»*««««» 



23. Es verachtete und verschmähte seine 
Rede die Schlanke, „IMicht so!" sprach 
slev ,)Schäme dich!" zum Sindhuer« 

24. Sich sehnend nach ihrer Gatten An- 
kunft reizte sie jenen , Worte fugend 
an "Worte. ' 

Fünfter Gesang. 



i. Das schöne Antlitz von Zorn ent- 
flammt, mit funkelnden Augen und 
zusammengezogenen Brauen, sprach 
zitternd wiederum' zum Beherrscher des 
tSVitvfra- Landes die Tochter DrtxpadcCs. 

2. Wie, du schämst dich nicht, du Thor, 
die berühmten, spitzgiftigeu groOsen 
Helden zu lästern, die dem grofsen 
Indras ähnlichen, ihrer Pflicht erge- 
benen, im Kampfe selbst den Jdkscha's 
und RäkscJmsas nicht weichenden? 

3. Nichts schickliches sprechen die Sünd- 
haften zu einem Waldbewohnenden 
oder Haüshalter, oder, zu einem mit 



"*> 



85 



Wissenschaft erfüllten Bii&er« So spte^ 
chen Hunden ähnliche Itimier^ o Su- 
winde. . . 

4. Ich aber glaubet kemer aus dieser 
Kschatrga - Vers^^mmlnng niid dich 
heute, bei der Hakid' ergreifend, 2U- 
rüddialten den stämnden in den 
Schlund der Hölle. 

5. Einen berauschen, Bergglpfd^äml!- 
chen, an Himwdns Fuis wandelnden 
Elephanten hältst ^dn mit einem Stabe 
von der Heerde ab, der dai den 6e- 
rechtigkeits- König su besiegen hpflest. 

6» In kindisdiem Leiehfsinn reüsest du 
einem schlafenden rfistigen XOwen di^ 
Haare vom Rachen,^ mit dem Fuise 

• • • 

ihn tretend, fliehend sodrän, irium du 
den erzürnten BMnms sehen wirst. 
7* Einen sehr starken, sehr fürchtbaren, 
ausgewadisenen, in Bergsdblnchten ge* 
borenen liöwen, einen scUafienden, 
schrecklichffiD, stöfst du mit des Fufises 
Spitze, der du den eniiriiten u/r^ 



86 



dschunas im Kampfe bestehen willst, 
den schrecklichen. 

8. Zwei schwarzen, spitzgifügen, zweizün- 
gigen Schlangen trilst du berauscht 
mit dem Fufse auf den Schwanz, der 

. du die beiden jüngsten der Pändui-- 
' den, die vortrefflichsten der Menschen 
bekämpfen willst. 

9. Wie ein Bambus, eine KadaU oder 
Schilf platzet zur Zernichtung und 
nicht zum Seyn, so wirst du mich 
von jenen beschützte rauben. 

Dschcqadrathas. 

10. Ich weis es, Krischnd, mir ist bekannt 
wie geartet sind die Mann -Götter- 
Söhne; nicht aber können wir durch 
dieses Drohen geschreckt werden von 
dir. 

11. ADe sind wir in Geschlechtern, welche 
die sieben Tugenden besitzen, gebo- 
ren, nicht in niedrigen, o Krischnd! 
über die «echs Tugenden erhaben 



87 



«••••••••••«•• 



achten wir gering, o Drupadas Toch- 
ter, die PdndwSohxie. 

12. Schnell steige auf einen Elephanten 
oder Wagen, denn nicht durch blolse 
Rede sind nvir zu schrecken. Bewirb 
dich wieder um des -AiwiiYS- Königs 
Gunst durch klägliche Rede« 

Draupadt. 

13. Eine Starke, warum werde ich als 
schwach betrachtet vom Swwira-König 
hi6r? [Nicht werde ich berühmte aus 
Furcht vor gewaltsamer Entführung 
klaglich sprechen zum A$uwira- König. 

14. Deren Weg Krischnas und Ardschuruis 
/Wandeln stehend auf einem Wagen 
vereinigt, Indras selber kann diese 
niemals rauben; wieviel weniger ein 
blofser Mensch, ein elender? 

15. Wie JrdschunaS' der Zemichter feind- 
lieber Helden, schreckend, auf dem 
Wagen stehend, die Herzen der Feinde, 
meinetwegen in dein Heer dringen 



88 



wird, dem Jgnis gleichend, wenn er 
in heliser Jahrszeit einen verdorrten 
Wald zerbrennt! 

16. Krischnas der Andhaka-'TVrischni^ 
Held und die grofsen Bogenträger, die 
Kaikajas alle, diese Königssc^ne ge* 
sammt wandeln mit Freuden meinen 
Weg. 

17« Sehr sclirecklich zischen, wie Blitze, 
die überaus schnellen und furchtbaren 
Pfeile, welche von Ardschmas Hand 
durch die Senne des Bogens Gandiwa * 
geschleudert werden. 

18« Die vom Gandiwa gesctmellten , gro- 
fsen Ffelle, wie Yögelschwärme, die 
schnellen, wenn du sie sehen wirst, 
die von Ardschunas Hand gesandten, 
da wirst du schmähen deinen Geist. 

19. Der in die Muschel blasende, mit 
dem Harnisch klirrende, mit dem Bo- 
gen Gandiwa bewaffnete, wieder und' 
wieder Pfeile -sendende, Wann die- 
ser auf die Brust die Geschofse dir 



89 



schleudern wird, wie wird dein Geist 
alsdann gestimmt^seyn? . 

20. T^ann du den Bhimas, den Streilkol* 
ben in der Hand, heranstürzen sehen 
wirst, und der MädH zwei Söhne, die 
die Weltgegenden durchstreifenden, 

9 

das Grimm -erzeugte Gift des Zornes 
speiend, da wirst du sogleich der Be- 
sorgnifs nahen. 

21. Wie ich niemals auf irgen(} eine Weise 
mich vergehe an den Gatten, defi 
hoch würdigen ^ im* Geiste selbst, bei 
dieser Wahrheit werde ich heute dich 
unterjocht sehen von den Äu/i^*- Söh- 
nen und , umhergeschleift. 

22. Darum kann ich nicht in Bestürzung 
gesetzt werden, von dir dem Buchlosen 
fortgeschleppt, denn vereinigt mit des 
i^iiru- Stammes Helden werde ich wie- 
der zurückkehren zum Kdmjaka, 



23. Sie die grofsäugige, anschauend jene, 
die sie ergreifen wollten, sprach schmä- 



90 



hend, ,, berührt, berührt mich nicht!'' 
und rief erschreckt dem Opferpriester zu. 

24. Es fafste sie beim Oberkleid J9^cAa/W- 
rathaSy den warf sie nieder, und es 
stürzte von ihr geschleudert der Sünd- 
hafte wie aus der Wurzel gerissen ein 
Baum. 

25« Gefafst aber von dem sehr schnellen, 
wieder und wieder seufzend, stieg 
Knschnd die Königstochter, fdrtgezo- 
gen, auf den Wagen, nachdem sie zu 
Dhaumjas Füfsen sich gebeugt. 

Dhaumjas. 

26. Nicht kann diese von euch entführt 
werden ehe ihr die grofsen Helden be- 
siegt habt; die Pflicht der Kschatrija's 
bedenke, Dschajadrathas. 

27* Ein schändliches Verbrechen begehend 
wirst du gewifs davon die Frucht em- 
pfangen, wenn du mit den Pdnduiden 
zusammenkommst, den Helden, den vom 
Gerechtigkeits- König angeführten. 



91 



28. So gesprochen, folgte Dhaumjas dier 
geraubten Königstochter, der berühm- 
ten, mitten unter der Schaar des Fufs- 
Volks gehend. 

Sechster Gesang. 



1 . Nachdem die Weltgegenden durchzogen 
hatten die £iunt{* Söhne, Gazellen Eber 
und Büffel erlegend, vereinigten sich 
die Bogenträger, die trefflichsten auf 
der Erde, die einzeln wandernden. 

2. Zum grofsen iTam/aAa -Walde gd&om- 
men, dem von Wild und Schlangen 
erfüllten, von Yögeln durchtönten, 
sprach zu den Brüdern Judhischthiras^ 
hörend die Stimmen der heulenden 
Thiere; 

3. Der lichten Gegend nahend schreien 
gräfslich diese wilden Thieye und Vö- 
gel, eine schreckliche Gefahr verkün- 
dend, dafs von Feinden bedrängt wird 
der Kämjaha-'Wdld. 



92 



4« Schnell kebret zurück, weg mit der 
Jagd! es bebt, es brennt mir das Herz, 
voll Besorgnis wird es mir bewegt im 
Busen, trübend den Geist* 

5. Wie ein See, dessen Schlangen vom 
Garudas getödtet, wie ein König ^loses 
Reich dessen Glück zerstört ist, so er- 
scheint niir der Wald Kdmjaka, di- 
nem Gefäfse gleich, dessen Wasser von 
berauschten Elephanten getrunken. 



6. Fahrend auf grolsen, schönen, mit rü« 
stigen, windschnellen &9t/u27iu- Pferden 
bespannten Wagen, eilten sie, die Hel- 
den der Männer, nach ihrer Einsiedelei. 

7* Aber den zurückkehrenden nahte ein 
kutstimmiger Schakal heulend zur lin- 
ken Se^te; dies erwägend sprach /u- 
dfdschthiras zu Bhimas und ArdscJwr' 
nas: 

8. ,,Wie da heult dieser abscheuliche 
Schakal zur linken Seite uns nahend! 
Gewifs haben die sündhaften Kurui" 



93 

\den, uns Yeracfatend, dne 
verübt. 
9. Eingehend hieiauf in jenen Wald sa- 
hen sie, die gejagt hatten im' grolsen 
Forst, ein vreinendes Weib; te war die 
dienende Amme der Geliebtni. ' 

10. Auf sie m lenkte eilends IndrasSnas 
und yom Wagen gesprungen lief er 
hin zu ihr; sehr beträbt.a{nnu& er so- 
dann zur Amme dies^ Bede: 

11. Was ireinst du, gejMlen iur Erdet 
warum trocknet erblafit. dein Antlitz? 

12. Ist nicht von sündhafitehi T^ibrechem 
Draupadi geraubt, die KOnigstachter 
Ton undenkbarer Sc&dnheit, die groft- 
äugige, welche die Fürsten des Kuru^ 
Geschlechts ihrem eignen KSrper gleich- 
achten? 

13. Wenn auch die Königin in die Erde 
gegangen ist oder zum ESmmel' gestie- 
gen oder in das Meer; ihrem Gang 
werden folgen • die iTintti-Sölueie ; so 
grämt sich des Dharmas Sohn. 



94 



14. Welcher Unsinnige will solchen stand- 
haften, unbesiegbaren Feind- Zermal- 
mem die ihrem Leben gleichgeachtete 
Geliebte rauben , wie einen unschätz- 
baren Edelstein? 

lä. Nicht weis dieser, dafs sie Beschützer 

hat, sie, die der Pänduiden sichtbares 

.Her:^ ist. Wessen Körper durchbohrt 

habend werden heute die schrecklichen, 

spitzen Pfeile in die Erde dringen? 

16. Gräme dich nicht, Furchtsame,' wisse 
dafs heute Krischnd zurückkehren wird* 
Die vereinigten Feinde sämmtlich ge- 
schlagen habend werden die Kunti" 
Söhne dann mit DraupaM sich verei- 
nigen« 



17« Dann sprach, das schöne Antlitz trock- 
nend, die Amme zum Wagenlenker 
Indrasenas: ^^Dschajadrathas hat, die 
fünf /riJra^- Ähnlichen verachtend, 
Krischnd entführt mit Gewalt. 



95 



18. Noch sind neu jene Wege, und gcr 
brechen welken die Bäume. Kehret 
zurück, schnell folget nach! denn noch 
nicht weit gegangen ist die Königs* 
tochter. 

19. t>eget an alle, die ihr dem Indms 
gleichet, die grofsen und schönen Har- 
nische, und nehmt die Bogen, die ep- 
spriefslichen,. und die Pfeile, und zie- 
het schnell den Weg; 

20. Ehe sie von Drohung und Strafe be- 
täubt, geistesverwirrt, mit trocknendem 
Antlitz, irgend einepi Unwiürdigen ih- 
ren Leib gibt, als gösse sie in /die 
Asche einen Löffel mit vorzüglicher 
gereinigter Opfer -Butter angefüllt. 

21. Ehe in einem Spreu -Feuer gleichsam 
die Opfer -Butter geopfert wird; ehe 
ein Blumenkranz gleichsam an einer 
Leichenstätte entblättert wird; ehe die 
iSloma- Pflanze auf dem Altar wie von 
einem Hunde geleckt wird, während 
berauscht die Brahmanen sind; 



96 



*Mt 



22. Ehe ein Scbakal, in einem grofisen 
Walde gejagt habend, das Lotusfeld 
zerstört. — Möge nicht eurer Geliebten 
scbönnasigesi schönäugiges, Mondglanz- 
ähnliches, klares, herrliches Antlitz 

23» irgend ein Übelthäter berühren, wie 
ein Hund die Opferbutter auf dem Al- 
tar. Diesen Wegen folget schnell, 
lasset nicht rasch vorübergehen die 
Zeit! 

JudhischtKras. 

24. Weiche zurück, Treffliche, hemme die 
Rede! In unserer Gegenwart sprich 
nicht Lästerungen. Seien es Könige 
oder Königssöhne, von ihrer Macht 
berauschte, sie werden ^täuscht wer- 
den." 



2ä. Dies gesprochen, zogen sie schnell wei- 
ter, folgend jenen Wegen, wieder und 
wieder aufathmend wie Schlangen, und 
schwingend die Senne der grofsen Bogen. 



97 



26. Bald sahen ^e aufsteigen den Staub 
des Heeres Dschajadrathas ^ und in 
des Fufsyolks Mitte gehend den Dhaum-^ 
JOS, yfelcheT Bhiman zurief ,,eile her* 
bei!" 

27* Es trösteten den Dhaunyas die Kö- 
nigssöhne wehmüthigen Geistes: ,, ver- 
gnügt falge!" sprechend, und wie Fal- 
ken nach Fleisch gierig so stürmten 
sie schnell auf Jenes Heer. 

28. Die Helden, an Tapferkeit dem grofsen 
Indras ähnlich, ergrimmt ob der Krän- 
kung der Draupadi, ihr Zorn loderte 
als sie gewahrten den Dscha/adrathas 
und auf seinem Wagen die Geliebte* 

29. Es riefen zu dem «SVr^^u-König die 
grofsen Bogenträger, Bkimas sowohl 
als Ardschunas y die beiden Zwillinge 
und der König; die Feinde aber un- 
terschieden nicht mehr die Weltge- 
genden. 



98 



•••••••••••••• 



Siebenter Gesang. 



1. Da entstand im Walde ein sehr furcht- 
bares Geschrei der zornigen . Krieger, 
als sie den Blümas und Ardschunas 
sahen« 

2« Der schlechtgeistige König Dschajadra- 
thas, als er die Standarten -Spitzen der 
iTurii-Fürsten sah, sprach er, dessen 
Stärke zernichtet war, zu Draupadi 
der glänzenden auf dem Wagen: 

3. Da kommen diese fünf grolsen Helden, 
deine Gatten, glaube ich, o Krischna, 
sind es. Du aber, die kundige, nenne 
uns einen jeden, o Schönhaari^e, der 
Wagen -stehenden Pänduiden. 

Draupadi» 

4* Was hilft es dir, du Thor, die grofsen 
Bogenträger zu kennen, nachdem du 
eine Leben -kürzende That vollbrach- 
test? Diese Helden sind meine Gatten, 



99 



die genaht sind; fiir euch gibt ed keine 
- Rettung hier in dem Kampfe. 

5. Doch mu& ich dir alles verkünden , 
von dem sterben-: werdenden ge&agt, 
dies ist Pflicht; ich habe weddr Be- 
sorgnifs noch Furcht vor dir, da ich 
mit den jüngeren Brüdern den Ge- 
rechtigkeits -König s^he. 

6. Jener, an dessen. Standarten^ Spitze die 
beiden Trommeln' tönen, Nandas und 
Upanandas, die lieblichen und schö- 
nen, diesem Unterscheidungskundigcm 
seiner Pflicht folgen b^tändig die 
Pflicht -bedachten Menscb^b* 

7. Er, mit des Goldes i^^inrnn Gcilb, mit 
einer der Pratschanda-f'Bhxake äbtilichen 
Nase, der schlanke, groftäugigf, der 
trefllichste des jSpn^- Geschlechtes, ihn 
nennen sie Jud/üdchihiras^ des Dharmas 
Sohn, n^ieinen Gatt0n. , . 

8. Dieser schenkte selbst dem Feinde, 
welcher um Schutz fleht, da& Leben, 
der Gerechtigkeit -übende Held, der 

er 



100 



r 



: Mähner. Flehe iKn um Gnade alsbald, 
du Thor, sur Erhaltung deines Lehens, 
' ' mit gefalteten Häiaden und niederge- 
legten Waffen, 
• 9. Dann siehst du jenen, den auf dem 
Wagen stehenden grofshändigen, gleich 
r^ c , ^ w. einem ausgewachsenen )Sdla - Fisch , mit 
zusammengebissenen Lippen, und zu- 
«aipmengezogenen Augenbrauen, fWri- 
: > hodaras mit Namen mein Gatte ist 
-^ dieser; 

lO«- Pferde aus edlem Stamm, rüstige, wohl- 
gebändigte,' grofse Kraft habende, zie- 
hen den Helden. Seine Thaten sind 
I iibertneflsi^hlich und ^^Bhimas (der 
5Pürchtbare)'f^ist sein auf der Erde 
'■' verbrieitetg: Ruf. 
11. Seine Beleidiger ifinden keine Rettung, 
niemals vergifst Hieser der Feindschaft, 
des Feindes Untergang bestimmt ha- 
bend naht er, und auch nach der 
Vollbringung überläfst er sich nicht 
ganz der Besänfügung. - 



101 

/ 

12. Jener Torziiglichna der Bogentrffger^ 
der standhafte, beriilimte, jiniC besieg- 
ten Sinnen i der die Alten einsende 
Held der Männer, der Bruder nnd 
Schüler- des Jüdhi$ehthin»s, Dhanan-' 
dschajas mit Namen mein Gatte ist 
dieser;. 

13. der weder aus Begier noch aus Furcht 
noch ans Habsucht verliefie die Pflicht 
oder Schandthat' b^nge, dem Eeuer 
ähnlidi an Glanz, der SfAat KunÜ'-s, 
der Zermalmer fcSndlidbier. ' Sdiaar<en, 
der aller Pflichten Untencbieidung 
kennt, den FuxthtgecpidtesiBL ein Farcht- 
Tilger, der Einsidlit%e. r- 

14. Jener, dessen Gestalt man dieTorzug- 
lichste nennt auf der £rde, den die 
Pdnduiden alle umschirmen , < ihnen 
werther als das Leben, deii cirgebenen; 
dieser Held ist Ifakulas mein Gatts;, 

15. welcher zdit dem Sdiwm^t' kttmjpfet, 
mit leiditer, geschickter Band, der 
grofse, verständige, den SahadSwas 



I 

• 



» t 



102 

als Zmllingsbruder habende, dessen 
That du heute sehen wirst» Blödsin- 
niger! der des IndrcLS ähnlich im 
Kampfe mit den Heeren der Dai^'as, 

16. der Wajffen- geübte Held, der ver- 
ständige, weise, Liebes -erzeigende dem 
Dharmas Sohne dem Könige, dem 
Mond und der Sonne an Glanz ähn- 
lich,, der letztgeborene und Liebling 
der Pdndidden. — 

17« Jener dem an Einsicht kein Mann 
gleicht, der beredte, unter den Guten 
der Unterscheidung kundige, der ' stets 
zur Rache geneigte Held, der ver- 
ständige, weise, ist Sahadewas mein 
Gatte. 

18. Er verliefse das Leben, ginge in das 
Feuer, nicht aber spräche er pflichtwi- 
driges, der stets einsichtige, der Krie- 
ger- Pflicht sich freuende,' der Kunti 
lieber als das Leben, der Held der 
Männer. 



103 

19. Wie ein am Meeresstrand zerschellen- 
des mit Edelsteinen angefülltes Schiff 
auf eines gehörnten Fisches Rücken, 
so iivirst du dein, Heer, aller Kampfer 
beraubt von den Pändu-Söhnen zer- 
rüttet sehen. 

20. So sind dir nun genannt diese Pändu- 
Söhne, welche im Unsinn verachtend 
du fortgingst. Wenn du diesen ent- ^ 
kommst mit unverletztem Körper, so 
wirst du fürwahr lebendig Wiederge- 
burt erlangen. 



21. Aber die fünf ÄunfZ-Söhne, wie fiinf 
Indras, verlassend das mit gefalteten 
Händen dastehende Fufsvolk, verfin- 
sterten das Wagen -Heer, die ei^imm- 
ten, durch einen Pfeil- Regen von al- 
len Seiten bedrängend. \ 



104 



Achter Gesang. 



1. ,, Stehet, kämpfet, schnell umzingelt 
sie!" so trieb der Sindhu ""König die 
Herrscher der Männer an. 

2. Dann erhob sich ein sehr schrecklieber 
Lärm der Krieger , indem sie den 
Bhimas, Ardschunas und die Zwillinge 
sahen nebst Judhischthiras. 

3. Bestürzung überfieL die Siwiden, Su^ 
wiraTdden und Sindhuer, als sie jene 
Mann -Tiger sahen, Stärke -berauschten 
Tigern gleich. 

4. Den mit Gold gezierten, gatiz eisernen 
Streitkolben schwingend, stürzte Bhi^ 
mos auf den vom Yerhängnifs getrie- 
benen Sindhuer. 

5. Ihn deckte Kotikas kämpfend, mit ei- 
ner gröfsen Menge Wagen den Bhimas 
umringend. 

6. Mit vielen Wurfspiefsen, Lanzen und 
Pfeilen, von der Helden Armen ge- 



105 

schleuderten, geworfen zitterte BMmas 
nicht. 

7. Einen Elephanten mit seinen Reitern, 
und vierzehn Fufsgänger tödtete mit 
dem Streitkolben Bhimas an der Spitze 
des Sindhu- Heeres. 

8. Fünfhundert tapfere Berg -bewohnende 
Helden tödtete Ardschunasy den Sin- 
dhuer suchend, an der Spitze des 
Heeres. 

9. Der König selbst tödtete von den vor- 
züglichsten Kämpfern der. Swwiriden 
in einem Augenblicke ein Hundert in 
der Schlacht* 

10. Es zeigte sich Nahtlos daselbst,- vom 
W^gen gesprungen das Schwerdt in 
der Hand, die Köpfe der Fufsgänger 
wie Samen ausstreuisnd wieder und 
wieder. 

1 1 . SaJiadewas aber, mit^ dem Wagen ge- 
liaht, schofs nieder mit Pfeilen die auf 
Elephanten kämpfenden, wie Ffaue 
von den Bäumen. 



106 

12. Dann sprang mit dem Bogen Tjigartas 
yom grofsen Wagen und mit dem 
Streitkolben tödtete er die vier Pferde 
des Königs. 

13. Den zu Fufs genahten verwundete der 
König, der £u^£/-Erfi'euer, mit einem 
Halbmond -ähnlichen Pfeile, an der 
Brust, der Gerechtigkeitsfürst. 

14« Durchbohrten Herzens fiel jener Held, 
aus dem Munde Blut speiend, dem 
Judhischthiras zugewendet, wie mit 
gespaltener Wurzel ein Baum. 

15. Vom Wagen sprang dann der von In- 
drasenas begleitete Gerechtigkeitsfürst, 
dessen Pferde getödtet, und bestieg 
den grofsen Wagen des SaJutdewas. 

16. Dein Nakulas aber nahten Ksclieman-- 
Tiaras und Mahdmukhas, beide auf 
beiden Seiten mit einem Regen spitzer 
Pfeile ihn überschüttend. 

17. Die mit Wurfspiefsen ihn überschüt- 
tenden, zwei Regen - schwangeren Wol- 



107 

ken gleich, todtete der Sohn Mddns, 
mit einem einzigen Pfeile. 

18. Trigarta's König Suraihas war jetzt 
seiner Deichsel genaht tmd lieis um- 
werfen den Wagen, durch einen Ele- 
phanten, Er, des Ganges der Elephan- 
ten kundig. 

19. Nakulas aber sprang furchtlos von je- 
nem Wagen, Schild und Schwerdt in 
der Hand, und Boden gefafst habend 
stand er da wie ein unbeweglicher Berg» 

20. Suraihas aber sandte, um Nakulas zu 
tödten, einen trelEichen Elephanten, 
,ergrimmten, mit aufgehobenem Rüs- 
sel. 

21. Dem spaltete Nakulas mit dem 
Schwerdte, wie er sich umher be- 
wegte, nebst den Fangzähnen den 
Rüssel bei der Wurzel. 

22. Es stiefs aus ein grofses Gebrüll der 
Harnisch-gezierte Elephant, und. Kopf- 
gesenkt fallend .zur Erde, zerschmet« 
terte er die Reiter. 



108 

23. Diese grofse That ToUbracht erreichte 
der Madri'ffihoTeae Held den Wagen 
Bhima's und y/aoc gerettet. 

24. Bhimas aber schlug den Kopf ab mit 
einem gekrümmten Schwerdte dem 

4 Pferd - treibenden Wagenlenker des 
heranstürmenden Königs Kotikas, 

2ä. Nicht merkte dieser König, dafs sein 
Wagenlenker getödtet vom schnellar- 
migen; seine Pferde, deren Lenker er- 
schlagen, liefen umher in der Schlacht 
hier und dort. 

26. Aber der Pdnduide Blumas, der kam- 
pfenden Trefflichster, tödtete, genaht, 
mit einem Pfeile den des Wagenlen- 
kers beraubten, der abgewendet hatte 
das Antlitz» 

27« Allen zwölf Swwirqkiden spaltete ^r- 
dschunas mit spitzen Geschossen die 
Bogen sowohl als die Köpfe. 

28. iS'iwi^w und Häupter der /A^cÄTVflÄuwfew, 
Trigarter und Sindhuer, auf Schufsweite 
genahte, erlegte der groOse Held. 



109 

29. Von Ardschunas hingestreckt Tvafen zn 
sehen sowohl viele Elephanten mit den 
Panieren zugleich, als auch groise Hel- 
den mit den Standarten. 

30. Die Erde bedeckend lagen auf dem 
ganzen Schlachtfelde kopflose Körper 
und körperlose Köpfe. 

31. Hundö, Geier, Reiher, Rahen, Falken, 
Schakale und Krähen sättigten sich da* 
selbst an der erschlagenen Held^i 
Fleisch und Blut. 

32. Da wandte der erschreckte Sindhu" 
König Dschajadratlias, nachdem jene 
Helden gefallen , Krischnd loslassend 
seinen Geist zur Flucht. • 

33. Da das Heer in Verwirruilg war, liefs 
er absteigen Draupadi, und lebensüch*- 
tig floh er, der Herrscher der Män- 
ner, in den Wald. 

34. DerGerechtigkeits-König, hinter DÄaum- 
jas die Draupadi sehend^ liefs auf den 
Wagen sie heben vom Sohne der Md- 
driy dem Helden. 



11t) 

35. Die auseinander laufenden Krieger, 
: nachdem Dschajadraihas geflohen, er- 
, legte, drohend und drohend, mit Ge- 
schossen JBhimas, 
36.. Ardsckunäs aber, da er DscJuqadror' 
thas fliehen sah, hielt ab den Bhimas, 
welcher tödtete des Sindhüers Krieger. 

Ardschunas. 

37* nDurch dessen Vergehen uns dieses 
Leid traf, Tapferer! den sehe ich nicht 
m diesem Schlachtfelde, den Dschor- 
jadrathas* 

38. Diesen suche, Heil dirf was frommt es 
dir die Kri^er niederzustredien? Un- 
selig ist di^e That; oder was ist deine 
Meinung?" 



39. Bhimas aber, yon Ardschunas dem 
verständigen [so angeredet, sprach, den 
Judhischthiras anblickend, der beredte, 

. diese Rede: 

40. Schon sind die Feinde, deren Heiden 



111 

getÖdtet, meistens nach allen Richtun- 
gen geflohen; darum nimm die Dru- 
padas- entsprossene, o König, und kehre 
zurück von hier. 

41. Mit den Zwillingen ^ c Fürst der 
Herrscher! und mit Dhaumjas, dem 
grofsgeistigen , zur Einsiedelei gelangt 
tröste die Draupadi^ 

42. Nicht wird mir lebend ^entgehen der 
sinnlose SindhwFiiisl^'yfäie er. auch 
dem Abgrunde der Hölle genaht^ oder 
wäre Indras sein Wagenlehker« 

Judfiischtfums. 

43. ,,Tödten .mufst du .ihn nicht,. Grofs- 
armiger! obwohl er schlechten Geistes 
ist, der Sindhuer; der Duhsald ge- 
denke, lind der Gändhäri der beV 
rühmten." . 



44. Dies gehört, sprach JDraupadi mit 
verwirrten Sinnen, die zornige, schäm- 



112 



••#•••••#••■•• 



hafte , yerständige, zu Bhimas und 
Ardschunas den beiden Gatten* 
AS* Wenn ^ ihr mir thun wollt etwas Lie- 
bes, so tödtet den niedrigsten der 
Männer, die Schmach der Sindhuer, 
den sündhaften, schlechtgeistigen, den 
Terachüichen seines Stammes. 
46* Ein Feind welcher Räuber der Gattin 
' ist, und ein Feind welcher > Räuber 
■ des Reichs ist, darf, selbst wenn er 
vmn. Gnade fleht, im Kampfe nicht ge- 
schont werden. 



47. So angeredet verfolgten die beiden Ti- 
^er''de^ Männer den Sindhuer; der 
König aber kehrte zurück mit Krischnd 

: und dem Opferpriester. 

48. Angelangt sah er die Einsiedelei voll 
zerbrochener Büfser- Sitze und Gefäfse, 
und angefüllt von Mdriikandejas und 
den anderen Brahmanen« 

49. Ihnen, welche Draupadi beklagten, 
den vertieften, nahte der Einsichtsvolle 



Ii3 



•*««v 



nebst der Gattin,, und umgeben von 
den beiden Briidem« *^ , 

50. Jene waten erfreut, als ' sie zurückge- 
kehrt den Fürsten sahen iind zurück- 
gebracht die Drmipadiy nachdem be- 
siegt die Sindhuer vljA Sliwiden. 

51« Yen den Brahmai^en. umgisben petzte 
sich niedeif daselbit der König ; Drau" 
padi aber die vortreiBiche trat in die 
Einsiedelei mit deu ZwUlingei^. 

52. Bhimas und ^rc&cAu7M^;p aber,, hörct^d 
in einer ^ro^a-Entfernung den Feind, 
antreibend die Pferde, eilten sie schnell ' 
hinzu. 

53. Dies grofse Wunder übte hierbei der 
Held ArdschuTias, dafs er in' Krosa^ 
Entfernung die Pferde tödtete des 
Sindhuers. .! 

54. Mit himmlischen Pfeilen vei^ehen, 
auch in der Z^it der Bedrängniis ohne 
Furcht, vollbrachte er sch\»^er zu voll- 
bringende That mit geweihten Ge- 
schossen. 

H 



114 



65 i Dtonn stürmten sie los, die beiden 
Helden Blumas und Ardschunas, auf 
den einzigen Sindhuer, den sukk fürdi- 
tenden, geistverwirrlen, dessen Pferde 
getödleU 

56. Der Sindhuer aber, voll Scbmerar, die 
trefflichen Pferde getödtet xinA Ardscku^' 
nas den VoDbringer iibertapferer That 
sehend, strengte sich an cur Flucht 
und lief in den Wald« 

57« Als Ardschunas den rasch entfliehen- 
den Sindhuer sah, sprach nadifolgend 
der groisarmige die Worte: 

58. ,,Wie! mit dieser Tapferkeit entfuhrst 
du gewaltsam eine Frau? Königssohn> 
kehre zurück! nicht ziemt dir die 
Flucht. 

59. Wie! die Untergebenen in der Fieinde 
Hitte zurücklassend fliehst du?" Sa 
angeredet vom Sohne der Kunä kehrtö 
der Sindhuer nicht zurück« 

60. ,, Stehe, stehe!" rufend stürmte los 
auf ihn Bhimas^ der starke. ,,Tödte 



115 



••••••#••••••• 



ihn nicht!'' sagte äfdschunas ÄxaH mit- 
leidige. 



Neunter Gesang. 



1. Sehend die beiden Brüder mit aufge- 
hobenen Waffen, floh Dsclugadrathas 
schnell, der bestürzte, lebenssachtige, 
sdhinerzerfüllte. 

2. Der starke BJämä^ aber, yoia Wagen 
gesprungen , einholend Aeh laufenden, 
ergriff ihn bei deti Häar^, der zor- 
nige, 

3. Und eihpörhebäiid stiefs et ihn auf 
den Erdboden, den Kopf &äsend zer- 
schmetterte er den König« 

4. Dem noch lebenden und aufzuspringen 
strebenden zeiträt er üiit dem Fufs 
das Haupt, der grofsarmige dem kla- 
gen wollenden; 

S« Setzte ihm das Knie auf den Leib und 
stiefs ihn mit dem Elbogen; und der 

H* 



116 

König kam von Sinnen, vom Treff- 
lichsten der Kämpfer so gequält. 
6. Den ergrimmten Bfumas aber hielt 
Ardschunas zurück: ^^Was um der 
Duhsald willen der König spracb, dies 
bedenke, KunudeP^ sagte er. 

Bhimas. 

?• Nicht ist dieser sündhafte würdig zu 
leben durch meine Gunst, der un- 
schuldigen Krischr^d Quäler, der nie- 
drigste der Männer. 

8. Was kann ich aber thun, weil der 
König immer mitleidig ist , und auch 
du, mit geringem Verstand hemmst 
uns beständig. 



9. Dies gesprochen, schor ihm Bhimas 
zu fünf Büschen das Haar mit e^lem 
Halbmond- ähnlichen Gescholse, dem 
schweigenden. 
10. Schmähend den König sagte hierauf 
Blümas: wenn du zu leben wünschest, 



117 

SO höte ThörichteTi die Bedingung von 
mir: 

11. ,,Ein i^aye bin Ich" mufst du sagen 
in Versammlungen und Vereinen; so 
schenke ich dir das Leben, dies ist 
der kampfbesiegteh Geschick. 

12. ,,AIso sei es" sprach DschajadnUhaSj 
geschleift werdend, zum Tiger der Man- 
nöi', Bhimas dem Verherrlicher der 

* 

.Schlacht. 

13. Dann band Bhimas ^ der Kufiti Sohn, 
den sich straubenden , und liefs ihn 
auf den Wagen steigen, den besin- 
nungslosen, staubbedeckten. ' 

14. Dann stieg selber auf den Wagen 
Bhimasy welchem Ardschunas folgte; 
und zurückgekehrt trat er Tor /u- 
dlüschthirasy der in der Mitte dejr Ein- 
siedelei stand. 

\i.\ Ihm zeigte Bhimas in diesem Zustand 
den Dschajadrathas; ihn sehend lachte 
der König, „er werde befreit!" so 
sagte er. 



118 



«••«••fM«»«««« 



16. Zum König sprach sodann BMmas: 
Es werde gemeldet der Draupadi; denn 
gefallen in die Sklaverei der PdnduU' 
den i3t dieser von sündhaftem Geiste* 

17* Zu ihm sagte hierauf der älteste Bru- 
der die freundliche Rede: löse ihn, den 
Nichtswürdigen, wenn wir als Schiedsr 
richler dir gelten« 

18. Und Draupadi $agte zu Bhimßs^ nach- 
dem sie angesehen den Judhischthiras: 
Dieser Sklave des Königs, dem du das 
Haar zu füi^f Büschen geschoren, werde 
befreit. 

19. Befreit nahte dieser dem König /u- 
d/usthtbiras und beugte sich vor ihn^, 
grüfste sodann , der be^türzle , die 
wahrgenommenen Eiqsiedeler. 

20. Zu Dschajadrathas «agte der mitlei- 
dige König, des Dharmas Sohn Zu- 
dfuschthiraSf ihn so sehend, den von 

•Jrdschtmas gehaltenen. 
2f. Gehe ungestört, du bist befreit! so 
handele niemals wieder! Sohmi^ch dir 



119 



• ••••• ••• •••••• 



dem Frau -lüsternen, Schändlicher, mit 
schändlichen Begleitern! Welch ein an- 
derer als du würde solches verüben, 
Niedrigster der Männer? 

22. Erkennend dafs er wie besinnungslos 
war, der YolllMriBger unreiner That, 
jRihlle, dies bemerkend, Mitleid der 
Beste der BharätideU, der Herrscher 
der Männer. 

23. ,,In der Pflicht wachse dein Geiste nicht 
zum Unreeht wende sich dein lleri! 
Mit Pferden , < Wagen und Fu&yolk 
ziehe glückli6h, Dschi^udnuhasf^ 

24. So angeredet ging beschämt, s«Jiwei- 
gend, etwas da« Glicht gobeügCf d^ 
'8chmerzge<|uälte naeh GangHr'Bwdrä, 
o König Vom Bhäraia^GeBtihibäitß. 



' ' i * . • ■ l 



i : 



. ■ I • 

Aus Ardschuna's Rückkehr 



I. ' « 



. . „ ' VWl/Wl^ 



Fünfter Gesang. 

. Ardschunas sprach: 

' 1 « Iavl mir dem Vraflenkundigen , muth- 
. beseiten sprach min der Pferdgespann- 
führer (Jndras)^ mit *den Händen das 
Haupt mit berührend, diese Rede: 

2* >;^icht kannst du jetzo* im Kampfe 
besiegt werden von den Schaaren der 
Götter selbst; wie ylel weniger In der 
menschlichen Welt von den unseligen 
Menschen! " 

3. Der unmefsbare und unbesiegbare und 
In Kämpfen unvergleichbare /Sprach 
dann wieder zu mir, der hocherfreute 
Gott: •' ^'^' '"■ ■■ ' 



121 



4. ,,Im • Pfeilkampf ' yruA Niänand dir 
gleich seyn, o Held! U&beÜiörbar , 
stets rechÜicbv^^ahilieitspFeGiiend, mit 

besiegten Sinnen, : '- '' j ^ 

5. und gottselig tmd wiiffenkundig bist 
du, und ein Held bist äxii, Kuras^ 
Spröfsllugl Waffen hast idu erlangt 
zehn und fünf. .. : 

6. In dto fünf igazbpfarten gibt es nicht 
Deinesgleichen, o Kund -Söhn; die 
Pfeil -Sendung und Aüffangung,- und 
die Gegenwehr, o Atd^chünai, f 

7« und Wiederbelebung ' und Abwehrung 
kennst du ganz und gar;, da ist nun 
die Zeit «Ines wichtigen Geschäftes ge- 
naht, o Feindquäler* . ' . i 

8. Versprich ■. es auszuführen, das 'Weitere 
werde ich dann sagen." ^^ Dann sprach 
ich , ' König , zum GStderfürsten diese 
Rede: ' ;; » . 

9. ,,Was nilr ni3glich ist zu tlmn;, das 
betrachte alsgescbehen." Dann sprach 



a* 



>■• 



^K 



122 



iV. m mir läohdnd der Tödler des Babis 

. » 'und JWriträst 
itu'K/ i ^^f YiNidbtBJst dir unmöglich jetzo in den 
^. X ' / ; v^iidrei Welten. Nixvdtakawatschen mit 
d/^'^ ^. V ,^,, ^ ^Jfamen^ die 2%inatven sind tneine 

• Feinde. 

11. Der Meöresr Tiefe gena!bt wohnen sie 
/ ^ . , / /. in einer Feste, drei Millionen an Zahl, 

• ' gleiche Gestfdt, Kraft und Glans bä- 

• hend. • 

12. Diese «lernichtd, o Kuntide, ein wich- 
tiges Geschäft wird dies dir seyn.'' 
Dann gab er inir den von MätaUs ge- 
lenkten^ # 

14« mit Pfau-fjucblgen Pferden bespannten, 

I 

himmlischen, sehr glänzendea Wagen, 
« und ba^d mir auf das Haupt dies 
Diadem, das yorirefflichsle; 
14» und gab mir dies^i Luft ^ähnlichen, 
Leib - zierenden undurchdringliehen , 
Luft* gestaltigen Humisch, den herr- 
lichen. 



123 



»— 



15« Und diese imverwüstliche Senne fügte 
er an den Bogen GandiwA. Bann ging 
ich mit jenem glänzend^! Wagen, 

16. auf >velchem der Herr der Götter yor- 
• mals de^ BaUs besi^e, den fVird^ 

ischaniden. Da kamen die Götter alle, 
durch dies Getöse aufgew^t, 

17. Mich für den GÖtterflirsten haltend 
nahten sie, o Herr der FTaisjas, und 
sehend fragtea sie michs ,,Wa8 willst 
du thun, o Jrdschwuu?^^ 

18. Ihnen sagte ich der Wahrheit gemäfs: 
,,Die8 werde ich thun ün Kample: 
die Niwdtakawaischen zu iserniehten 
bin ich aufgebrochen» 

19. Dies wisset, ihr Glückseligen, und seg- v 
net mich, ihr Sündelosent^' Dann prie^ 
sen sie mich gnäcfig wie den Gott 
(Indras)^ den Slädtespalter: 

20. , ,Mit diesem Wagen hat Maghawän (In- 
dras) besiegt den Sambaras im Kampfe, 
den Namuscliisj den Balas und Writras, 
den Prahlddas ixad Narakas auch. 



124 



••«« 



2i. und viele Taüsende, Mülioiien und 
. Billionen auch von Dai^as^ha.t auf 
diesem Wägen /besiegt Maghawän im 
Kanipfe« « 

22». Du auch wirst auf ihm, o Kuntide, 
die Nvwdtakawatschen im ^^ampfle be- 
siegen, tapfer in der Schlacht wie vor- 
mals Maghawän^ der gewaltige. 

23. Dieäe Zierde der Muscheln womit du 
] . :d\eiD4nawen besiegen wirst, damit 

hatv'der grofsgeistige Indras die Welt 
bezw:ungen." . 

24. Die von den Göttern gereichte was- 
sergeborene (Muschel) Dewadatta nahm 
ich zum Siege, von den Unsterblichen 
gepriesen. 

25. Mit der Muschel, geharnischt, mit 
Pfeilen und emporgehobenem Bogen, 
fuhr ich kampflustig zU dem sehr 
schrecklichen Sitze der Dänawen. 



125 



%M««««.*t««»«« 



Sechster Gesang. 



1. Indem ich hier und dort gepriesen . 
wurde von den grofsen Weisen, sah 
ich das Meer, das himmlische, wasser- 
gebietende, unvergängliche. 

2. Da waren schaumige und* ausgebreitete 
und aufgethürmte, aufsteigende Wogen 
zu sehen wie tanzende Berge. 

3. Perlenbeladen^ SfihiiTe zu Tausenden, 
zu allen Seiten, Timingila "Fische und 
Schildlu'ötep, so auoh Timi-Timingi' 
len. 

4. Und Hornfische*" waren da zu sehen, 
wie ins Wasser getauchte. Berge, und 
Tausende Von untergetauchten Muscheln 
sah mau im Wasser überall, 

5. wie in der Nacht Sterne, die mit diin- ^ 
ner Wolke bedeckt sind. So auch 
schwammen dort Berlen- Haufen 9U 
Tausenden. 



126 

( 

'6. Und cler Wind tobte furchtbar; das 
war wie ein Wunder* Nachdem ich 
den schnellflutigen Behälter aller Was^ 
ser gesehen, den herrlichen^ 

7* erblickte ich vor mir jtne vcfn Dd^ 
Yiawen angefüllte Doif/a- Stadt. Da 
senkte MdtaUs schnell nieder zur Erde. 

8. Nachdem er den Wagen gehaltet, fuhr 
er weiter, der Wagengespann-'ktuidige, 
anfüllend mit Wagenrasseln jene Stadt 
eilte er dahin.^ 

9. Hörend das Rasseln des Wagens, ^leidi 
dem des Donners am Himmel, hielten 
mich für den Götterfürsten die Dänom 
'wen und bebuen. 

lOr Alle standen sie mit ersfchütttirtetn 
Geiste, Pfeile tmd Bogen tragend, 
Schwerdter, Speere, Beile, Streitkol- 
ben und Keulen in der Hand. 

11. Dann schlössen die Ddnawen die 
Thore zitternden Herzens, und Wache 
haltend in der Stadt war keinar zu 
sehen. 



127 

12. Da imlmi ich^id KnsGhel Z)l^it^2aff A 
die lauttönige) und der Aiunsn^lBidl 
genaht, lieib ich sie ersehallen faingsam. 

1 3 . Dieser Schall ah^, gehemmt am Hirn- 
mel gebar er Widerhall ^ und es zlt-^ 
terten und zerflossen in Furcht selbst 
die sehr gröfseu Wesen. 

14. Da wurden sichtbar die NiwdtakaWiU 
tschcriy alle schÖngeschmtickt) bedeckt 
mit vielartigen Harnischen, mannig- 
faltige Waffen in den Hftndeii« 

15. mit eisernen grofsen Speeren v und 
Streitkolben und Stdisem, mit Patti-- 
sen und Säbeln und Wagenrädel^, o 
Bharatide! 

16. Hünderttödtem und Bhasundeti^ ' vaxA, 
bunten, schöogexiert^n , gei^tiditen 
Schwerdtern, erschienen der Diti 
Söhne zu Tausenden^ 

17« Aber Mdtalis, nachdem erlange um- 
hergetrieben hatte die Pferde in Wa- 
gengängen i lenkte' er sie aul ebenes 
Land, o Fürst der Bharaüden. 



128 

18. Wegen dör Schnelligkeit der von je- 
nem angetriebenen Renner konnte ich 
jelzp nichts unterscheiden , * das war 
wie eia. Wunder« ! 

19* Hiel<auf liefs^n die Dänawen dort zu 
,: .Tausenden die gräfslichschallenden In- 
.Strumente alle laut ertönen. 

20., Bei diesem Lärm schwammen sogleich 
beßlnnungdos auf dem Meere Berg- 
ähnliche Fische^ hunderttausend weise. 

21. Hierauf stürmten mit grofsem Unge- 
.: st Jim die Dänawen auf mich heran ^ 

spitze Gescho&e schleudernd hundert- 
weise und tausendweise. 

22. Das war ein verwirrtei? ELampf zwi- 
!j:.j sehen jenen und mir, o BhcCratide, 

,;ei^ sehr schrecklicher, den Dänawen 
\. ,; \ verde;:blicher. , 

23. Da versammelten sich die göttlichen 

; Weisen und der Z>a/iawa -Weisen. 

..Schaaren und die ^roA/iwi -Weisen 

uud Siddhas in der grofsen Schlacht. 



129 

24. Diese priesen mich siegwünscbend mit 
passenden lieblichen Reden, die Seher, 
wie den Indras im 7'araX:a-Kampfe. 

Siebenter Gesang. 



1. Die Niwätakawatschen alle stürmten 
mit Ungestüm, o Bharatide, auf mich 
heran zusammen, mit aufgehobenen 
Waffen. * / 

2. Deckend den Wagen -Weg und auf- 
schreiend, die grofsen Helden, nähend 
von allen ^ Seiten überschiittetea sie 
mich mit Pfeilgüssen^ 

3. Andere der kraftvollen Ddnawen^ 
Speere und Schwerdter in der Hand, 
schleuderten Speere auf mich und BJiu- 
Sunden. 

4. Dieser sehr starke Speer -Re^en, mit 
Streitkolben und Wm-fspiefeen unter- 
mischt, der ununterbrochen von jenen 
geschleuderte, fiel herab auf meinen 
Wagen. 



130 

S« Andere der Niwdtakawatschen liefen 
auf mich zu, in der Schlacht, mit 
spitzen Pfeilen bewaflnete, gräisliehe, 
dem Gott des Todes gleichende, käm- 
pfende. 

6. Diese verwundete ich mit mannigfal- 
' tigen, schnellen, nicht fehlgehenden, 

von Gändiwa geschleuderten Pfeilen, 
einen jeden mit zehn, in der Schlacht* 

7. Da wurden sie alle zur Flucht ge- 
zwungen durch die von mir geschleu- 
derten Geschofse. Und die von Mdtalis 

. schnell angetriebenen Pferde 

8. schweiften in vielfachen Wegen da- 
selbst umher, die windschnellen; ge- 
schickt gelenkt von MdtaUs zerstampf- 

. ten sie der Diu Söhne. 

9. Diese hundertmal hundert Pferde, an- 
gespannt an jenen grofsen Wagen und 
gebändigt von MdtaUs schweiften um- 
her gleich Meteoren. 

10. Durch ihr Anstürmen mit rasselnden 
Rädern des Wagens und durch meinen 



131 



••••••••••••••• 



Pfeilregen wurden hundertweise getöd- 
tet die Asuren. 

11. Andere, deren Wagenlenker getödtet, 
wurden, athemlos, mit aufgehobenen 
Bogen, von ihren Pferden umherge- 
schleift. 

12. Jene, sämmtlich die Himmelsgegenden 
und Zwisebengegenden bedrängend 
kämpfend, schössen mit mannigfaltigen 
Pfeilen; da wurde besorgt mein Geist/) 

13. Dann sah ich des Mdtalis recht wun- 
derbare Kraft, dafs er die so schnellen 
Pferde ohne Anstrengung hielt. 

14. Da durchbohrte ich mit leichten, bun- 
ten Pfeilen die Asuren im ELampfe 
nebst ihren Waffen, o^ König, hun- 
dertweise und taiisendweise. 

15. Indem ich solche Thaten übte daselbst, 
mit aller Anstrengung, o Feindschläger, 



^) Meine Übersetzung gründet sieb auf die 
Lesart praruStja für prajüdda in Verbindung 
vait prahärinah. 



132 

war erfreut der Held Mdtalis, des //i- 
dras Wagenlenker. 

16« Zertreten wurden von den' Pferden 
die Asurcn und zermalmt durch den 
Wagen; so fanden viele den Tod, an- 
dere wichen zurück. 

17« Es wetteiferten gleichsam mit uns im 
Kampfe die Niwätakawatschen^ mit 
starken Pfeil -Güssen leisteten die Pfeil- 
verwundeten mir Gegenwehr.- 

18. Ich aber schofs mit leichten, bunten, 
durch die Brahma --"WslEc geweihten 
Pfeilen schnell hundertweise und tau- 
sendweise. 

19. Und bedrängt bedrängten mich die 
grofsen Asureriy die Zorn -erfüllten, 
vereinigten, mit Pfeil- Speer- und 
Schwerdt- Regen. ^ 

20. Da nahm Ich den vorzüglichen, scharf 
brennenden, vom Götter- Könige ge- 
liebten Gdndh(irwen'V{eil^ o Bharatide. 

21. Und die von jenen geworfenen S<Siwerd- 
ter, Dreizacken und Brecheisen in 



133 

Tausenden spaltete ^ ich hundertfach 
durch des Pfeils Gewalt. 

22. Nachdem gespalten ihre Waffen, .ver- 
wundete ich sie selber sämmtlich im 
Zorne mit zehn und zehn Pfeilen. 

23. Denn vom B<^en Gändiwa Bogen sie 
hervor in der Schlacht wie Bienen- 
schwärme» die grofseh Pfeile; dies 
ehrte MdtaUs. 

24. Auch der Asuren Gescho&e^ an Menge 
gleich Heuschrecken, übersdiüttetenmich 
sehr; sie beschofs idl mit Pfeilen. 

25. Die Ni\^dtakawaisohen -wieder,- die 
verwuhdet werd^nden^ umhüllten mich 
von allen Seiten imt starken Pfeil- 
Regen* i' i. ':.;.;;••.. .: 

26. Die Pfeil - Stürme «impfend chirdi 
Pfeil -tilgende Gesehoi&e, verwundete 
ich zu Tausenden^ jeQe-'difi^h flam- 
mende, vorzügliche^ schiieUe. >: 

27. Ihre durchbohrten »Körper strömten 
Blut aus, beregnetem Beüggipfeln glei- 
chend in der Regenzeit. 



iU 



•••••••••••••• 



28. VerwuÄdeli durch meine scbnellen, 
Bicht fehlgehenden Pfeile, Donnerkeil- 
ähnlicheir Berührung, vrurden die Dd^ 
'... nawen bestürzt« 

29« hundertfach, durchbohrten Körpers, 
Waffen- und Kraft -zernichtet, be- 
kämpften . mich nun die Dänawen 
durch Zauber. 

Achter Gesang. 



1. Da entstand .ein sehr starker Sieinze- 
if>i gen von aUen Seiten, mit berggrofsen 
»Ü!. Felsstücken, der bedrängte mich sehr« 

2. Ihn zertrümmerte ich mit Donnerkeil- 
Shnlicben, Von des grofsen Indixis Bo- 

; geu' geschleuderten , fliegenden Pfeil- 
güssen im grofsen Kampfe. . 

3. Indem zertrümmert wurde der Stein- 
regen entstand Feuer, und wie Feuer- 
massen fielen dort der Steine Staub- 
wolken. 



135 

4« Als der Steinregen zernichtet^ entstand 
ein starker Wasserregen, mit Augen- 
grofsen Tropfen, in meiner Nähe. 

5. Die mit grofser Schnelligkeit tausend- 
weise vom Himmel stürzenden Tropfen 
verfinsterten von allen Seiten den Him- 
mel, die Weltgegenden und Zwischen- 
gegenden. ^' 

6. Durch das Fallen der Tropfen und das 
Sausen des Windes und das Geschrei 
der Daitjas war nichts zu erkennen. 

7» Die an Himmel und Erde schwebenden 
Tropfen alle betäubten mich, die ohne 
Unterlafs herabfallenden. 

8. Da sandte ich den von Indras erhal- 
tenen himmlischen Ffeil, den Trock- 
ner, den glänzenden^ schrecklichen, 
durch diesen wurde getrocknet das 
Wasser. 

9. Als der Steinregen zernichtet und der 
Wasserregen getrocknet, sandten die 
Ddnawen Zauber, Feuer und Wind, 
o Bharatide! 



136 

10« Dann traf ich das Feuer gänzlich mit 
der Wasser -Waffe und mit der Fels- 
Wafie wehrte ich ab des Windes 
Sturm. 

11. Als dies geschehen erzeugten die kampf- 
berauschten Ddnawen jgleichzeitig man- 
nigfaltigen Zauber« 

12. Es entstand ein sehr starker^ Haar- 
sträubender Sturm von schrecklichge- 
stalteten Pfeilen, Wasser und Wind 
und Steinen. 

13. Der Zauber -gezeugte Sturm bedrängte 
mich im Kampfe, und es ward gräfin 
liehe ängstigende Finstemiis überall. 

14. Da so in schreckliche schwere Finster- 
nifs gehüllt war die Welt, wandten 
sich zurück die Pferde und es wankte 
Mätalis. 

15. Aus der Hand fiel ihm die goldne 
Peitsche zur Erde, und mehrmals 
sprach er furchtsam zu mir, ,,wo bist 
du?" o Bharatide. 



137 



•••••••••••••• 



16. Auch mich ergriff herbe Furcht, da 
ich ihm weichen sah den Muth, und 
er sprach beslürzt tvL mir dem er- 
schreckten diese Rede: 

17* Zwischen den Göttern xmAjisuren war 
um das Amritam vonnals ein sehr 
grofser Kampf, o Lieber, der wurde 
gesehen von mir, Süiideloseri 

18. Auch bei der Erlegung des Sambaras 
war ein sehr heftiger Kampf, dabei 
habe ich dem Götter* Könige den Wa- 
gen geführt. 

19. So auch wurden bei TVritra's Erle- 
gung von mir die Pferde gelenkt; 
auch der sehr schreckliche Kampf mit 
dem TVirotschaniden wurde gesehen 
von mir. 

20. Auch der mit Balas und Prahlddas 
und anderen, o Pdnduide, und der 
sehr furchtbare, haarslräubeAde Kampf 
mit Dschambas. 

21. Allen diesen sehr schrecklichen Käm- 
pfen habe ich beigewohnt; niemals 



138 

aber yerlolir ich vordem die Besin- 
nung, o Pdnduide. 
22. Gewife ist Yom Urvater die Vernich- 
tung der Geschöpfe bestimmt, denn 
nicht anders als beim Untergang der 
Welt ist passend dieser Kampf." 



23. Als ich von ihm diese Rede gehört 
und ermuthigt mich selber durch mich 
selber; vereiteln wollend dev Ddnawen 
grofse Zauber -Gewalt, 

24« sprach ich zu Mdtalis dem fürchten- 
den: ,,Sieh meiner Hände Stärke und 
der Pfeile Macht und des Bogens 
Gändiwa! 

2&. Jetzt zernichte ich durch der Pfeile 
2auber diesen sehr schrecklichen Zau- 
ber der Ddnawen, und die gräfsliche 
Finsterniis. Fürchte nicht, Wagenlen- 
ker, sei standhaft!" 

26. Dies sprach ich und schleuderte den 
Pfeil -Zauber, o Fürst der Männer, 



139 



••••••••••••«• 



den Verwirrer aller Wesen, zum Helle 
der Himmelsbewohner. 
27 • Da diese Zauber zernichtet waren durch 
mich, da schufen wiederum vielfältige 
Zauber die Asuren von ungemessener 
Kraft. 

28. Bald war Licht, bald wurde es von 
Finstemifs verschlungen, bald war 
sichtbar die Welt , bald war sie in 
Wasser getaucht. 

29. Mdtalis aber lenkte geschickt die Pferde, 
wann es hell war, und fuhr tmiher 
mit dem Trefflichsten der Wagen, im 
Haar -sträubenden Kampfe. 

30. Die schrecklichen Niwätakawatschen 
umringten mich, und umherfahrend 
sandte ich sie, sehend, zu Jamas 
Palast. 

31. So währte der Kampf, der den Dana- 
wen verderbliche, plötzlich aber sah 
ich nicht mehr die sämmtlichen Dd^ 
nawerif die in Zauber gehüllten. 



140 



I ♦ 



Neunter Gesang. 



1. Unsicfatbar bekämpften mich mit Zau- 
ber die 2>iti- Söhne, und ich bekämpfte 
auch sie mit unsichtbarer Pfeil-Kraft. 

2. Die dem dmdiwa entfliegenden rich- 
tig geschleuderten Pfeile durchbohrten 
die yorzüglichen Glieder, wo immer 
jene waren. 

3. Da hoben auf den Zauber die Dana-' 
wen^ die von mir im Kampfe verwun- 
det wurden, und eilten plötzlich in 
ihre Stadt. 

4. Als entwichen waren die Z><ti- Söhne 
und wieder Sichtbarkeit geworden, sah 
ich dort getödtete Ddnawen hundert- 
tausendweise. 

5* Ihre zersplittert€;n Pfeile und Juwelen 
sah man dort, und aufgethürmt ihre 
Glieder und Harnische. 

6. Für die Pferde war nicht Raum, um 
Fufs von Fufs zu bewegen; da schwan- 



141 



•^••«••••••'••^ 



gen sie sich plötzlieli sür Luft em- 
por. 
7* Aber die NiwätaJuiwatschen,^ den gan- 
zen Himmel deckend, naliten unsicht- 
bar und schleuderten Bei^e« 

8. Andere drangen unter die Erde und 
fafsten der Pferde Füfse, die schreck^ 
liehen Ddnawenp und die beiden Wa- 
genräder. 

9. Nachdem sie die Pferde gefalst hatten 
und den Wagen, dem kampfenden mir; 
bedeckten sie mich und den Wagen 
von allen Seiten mit Bei^n. 

10. Durch die geworfen werdenden Berge 
und andere fallende wurd^ die Ge- 
gend wo wli" waren wie eine Höhle. 

11. Mit Bergen bedeckt werdend, indem 
gehalten wurden meine Pferde , fiel 
ich in grofse Besorgnlfs; dies sah Md- 

V talis. 

12. Sehend sprach er zu mir dem fürch- 
tenden diese Rede: „jirdschunas, AT" 



142 

dschunas, fürchte nicht! sende das 
Donnerkell - Geschofs. 

13. Da sandte ich, dessen Rede gehört, 
das Donnerkeil -Geschofs, das geliebte 
des Götterkönigs, das furchtbare, o 
Männerfürst! 

14» Einer festen Stelle genaht, und nach- 
dem ich Gdndiwa gesegnet^ schofs ich 
ab die des Donnerkeils -Berührung ha- 
benden eisernen spitzen Pfeile« 

15. Die Donnerkeil -geschleuderten, Don- 
nerkeil-ähnlichen Pfeile drangen in die 
Zauber alle und in die Glieder der 
Niwdtakawatschen* 

16. Die Yon des Donnerkeils Sturm ge- 
. schlagenen Berg- ähnlichen Ddnawen, 

einer den andern umschlingend fielen 
sie herunter auf die Erde. 
17> Und die da unter der Erde Dair Wa- 
gen und Pferde hielten, diese, sandten 
meine Pfeile, ihnen nachfolgend, zu 
Jania's Palast. 



143 

18. Mit den gescblagenen, getödteten, Berg- 
ähnllcben Ddnawen war dielErde be- 
deckt wie mit ausgebreiteten Bergen. 

19. Weder für die Pferde war ein Weg 
zu sehen, noch für den Wagen, noch 
für MdtaUs oder für mich daselbst; 
dies war wie ein Wunder. * 

20. Dann sprach lächelnd zu mir MätaUs, 
o König: Nicht besitzet, Ardschunas! 
der Herr der Götter die Tapferkeit, 
welche an dir gesehen wird." 

21. Als die Schaaren der Asuren getödtet, 
schrieen ihre Frauen alle in jener Stadt 
wie im Herbste die Kraniche. 

22. Hierauf fuhr ich mit MdtaUs nach je- 
ner Stadt, schreckend durch das Wa- 
genrasseln, der Niwdtakawatschen 
Frauen. 

23. Sehend jene zehntausend Pfau «^far- 
bige Pferde, und. den Wagen, den 
Sonnen -ähnlichen, flohen in Schaaren 
die Frauen. 



144 



24. Durch der Geschreckten JunFelen ent- 
stand ein Getöse, wie fallender Felsen 
. auf Bergen. 

25* Geschreckt eilten die Daitja^'Frajien, 
in ihre mit vielen Edelsteinen gezierte 
Häuser, die goldenen* 

26. Jene* wundergestaltige Stadt sehend, die 
herrliche, vor der Götter Stadt ausge- 
zeichnete, ^fragte ich den Mdtatis dann: 

27* Warum bewohnen die Götter die so 
beschaffene nicht, denn vor des Städ- 
tespalters Stadt sehe ich diese ausge- 
zeichnet. 

MdtaUs. \ 

28. Es war dies vormals, o Äun^-Sohn, 
unseres Götter- Königs Stadt, es wur» 

\ den aber von den Niwdtahawatschen 
von hier vertrieben die Götter. 

29. Grofse , herbcN Bu£se gebüfst und des 
Urvaters Gunst gewonnen habend, 
wählten sie (die Niwdtdkawatschen) 



145 



•••••••••••••• 



diese Stadt zur Wohnung und im 
Kampfe Unbesiegbarkeit von Göttern* 

30. Hierauf 'wu]:de der Glückselige, der 
durch sich selbst Seiende (Brahma) 
von Indras so aufgefod^rt: Bestimme, 
o Glückseliger! einen Untergang, im 

'Wunsche meines Heils. 

31. Und es sprach der Glückselige zu /it- 
dras: So ist es bestimmt: Du ^irst 
ihr Untergang seyn, in einem anderen 
Körper, o Feindschläger! 

32. Zu jener Erlegung gab dann Indras 
dir die Waffen; denn nicht von den 
Göttern konnten getödiet werden, die 
getödtet worden Ton dir. 

33. Dann bist du im Umlaufe der Zeit zu 
Dieser Verderben , hierher gekommen, 
diese That wurde yon dir vollbracht. 

34. Um der Ddnawen Zerstörung willen 
hat der grofse Indras, o Indras der 
Männer! die grofse Gewalt der Waffen 
dir verliehen, diese vorzügliche. 

K 



146 

Ardsckimtzs. 
35« Hierauf, da ich bezwungen hatte die 
Stadt und die Dänawen getödtet, ging 
ich wieder mit Mätalis zu jenem Pa- 
laste der tSötter. 



Zehnter Gesang. 



1. Von mir dem zurückkehrenden wurde 
hierauf eine andere groOse Stadt gese- 
hen, eine wünsch wandernde , himm- 
lische, Feuer- und Sonnen -ähnlichen 
Glanz habende, 

2« von buntfarbigen^) und schönsingen- 
den auf Edelstein -Bäumen geborenen 
Vögeln umschwirrte, von den Paulo-^ 
men und Kälakandscheni den unmer- 
frohen, bewohnte. 



*) Ich übersetze nach einer Lesart k'itraik 
für kitraniy und susvarais' für b*äsvarais\ 



147 



••••«••••••••• 



3. wohl befestigte,^) yierthorige, schwer- 
nahbare, aus allen Edelsfjeinen gebil- 
dete, himmlische, wundergestaltige, 

4. mit Blum- und Frucht -begabten, aus 
himmlischen Edelsteinen gebildeten 
Bäuiben versehene, und von himmli- 
sehen herzfesselnden Vögeln erfüllte, 

5. von immer frohen, mit Speeren, 
Schwerdtern und Stöfsem bewaffneten, 
Bogen und Streitkolben tragenden, mit 
Blumenkränzen gezierten Asuren ge- 
schützte: 

6. Diese wundergestaltige Stadt der Dait- 
jas sehend frs^te ich den. Mdtalis, 
o König: ,,was ist dies für ein Wun- 
der?". 

MdtaUs. 
?• Pulomä mit Namen der I^tti-Sprofslitig 



*) Das erste Wort des sanskritischen Gom- 
positums ist gSpura Thor, welches aus Versehen 
in meinem Glossar fehlt; das zweite scheint ädä- 
laka oder adälaka zu sejn. Keines von die- 
sen Wörtern findet man jedoch bei Wilson. 



148 



»•••••• 



und Kdlakd die grofse Amrin, diese 
übten ein himmlisches Jahrtausend ge* 
waltige Bu(se. 

'8* Am Ende der Bufsie verlieh ihnen der 
durch sich selbst Sejende eine Gna- 
denwahl. Sie wählten als Gnade ge- 
ringe Schmerz -Ertragung ihrer Nach-' 
kommen, 
9. und Untödtbarkeit derselben, o Fürst 
der Könige, von Göttern, Rdkschasen 
und Schlangen, und die sehr reizende, 
luftwandelnde, hochglänzende, 

10. mit allen Edelsteinen versehene, selbst 
von Göttern und von den grofsen 
Weisen, JoA^cAen, Gandharwen, Schlan- 
g|en, Asuren und Rdkschasen schwer 
zu bezwingende Stadt, 

11* die mit allen Gegenständen des Wun- 
sches und allen Früchten*) begabte, 
die kummerfreie und krankheitslose 



*) Ich iU)ersetze nach einei* Lesart pala für 
guha. 



149 

von Brahma, o Bester der Bharatiden, 
für Kälakejas geschaffene. 

12. Diese himmlische Stadt aber wandert 
umher von allen Göttern befreit, von 
den Paulomen bewohnt und den Kd- 
lakandschen, den Dänawen. 

13. ^jHiranjapura^^ so wird sie genannt, 
die grofse Stadt, die von den Pulomi- 
den und Kdldkiden den grofsen Asw 
ren beherrschte« 

14. Fit)hlich wohnen diese hier, o König, 
von allen Göttern untödtbar, frei von 

^ Furcht und frei von Schreck. 

1 5 • Menschlicher Tod wurde ihnen bestimmt 
vormals Von Brahma, piese im Kampfe 
schwer nahbaren Kälahandschen^ die 
sehr starken, führe durch die Donner- 
keil -Waffe schnell zum Untergang, o 
Kunti "Sohn. 



150 

16. Als ich erfahren, o Herr der fVaisjas*) 
dafs jene von Göllern und Asuren 
nicht zu erlegen, sprach ich er&eut zu 
Mdtalis: ,, Fahre schnell zu dieser Stadt, • 



*) Ein Mann der dritten Kaste, nämlich der 
der Ackerbauern und Kaufleute, heifst bekannt- 
lich ff^is* oder Wais^ja im Sanskiit, und ^i- 
s^am patis {JVisorum domimis): ist ein gewöhn- 
licher Titel der Könige. Als Compositum würde 
man, ohne Berücksichtigung der Lautgesetze, fVis*^ 
patis sagen, und es ist merkwürdig, dafs mit 
dieser auf die indische Kasten -Eintheilung sich 
gründenden Benennung das Lillauische fViefzpalis 
so auffallend übereinstimmt. Ruhig erklärt dieses 
Wort durch „hoher Herr, Landesherr'*. Das Lit- 
tauische erinnert aufserdem noch durch sein Yer- 
bum, wiejzpalduju, ich herrsche, an die diitte 
Kaste der Indier. Der zweite Theil dieser Bildung 
{paläuju) scheint eben so wenig als fViefz im 
isolirten Gebrauche sich erhallen zu haben , er 
klingt aber ebenfalls ganz sanskritisch und schliefst 
sich an die Wurzel pal herrschen, wovon pdla^ 
jdmi ich herrsche. Diese merkwürdigen An- 
klänge an das ludische können nicht etwa für zu- 
fallig angesehen werden, da das Littauische, wje 
ich bei verschiedenen Gelegenheiten gezeigt habe, 
auch im grammatischen Bau dem Sanskrit sehr 
nahe steht. 



151 



•••••••••••••• 



17* dals icli die Feinde des Herrn der 
Götter durch Pfeile zum Untergang 
sende, denn auf keine Weise darf ich 
der Sündhaften schonen, welche der 
Götter Feinde sind/' 

18. Es fuhr mich hierauf Mdtatis schnell 
in die Nähe von Hiranjapura, mit 
jenem himmlischen Wagen, dem pferd- 
bespannten. 

19. Jene ^2>/ti- Söhne, mannigfaltig ge- 
schmückt und gekleidet, mich sehend 
sprangen sie auf, die sehr schnellen, 
und gehamischt bestiegen sie die Wagen. 

20. Hierauf verwundeten mich mit man- 
nigfaltigen Pfeilen, Speeren, Schwerd- 
tem und Brecheisen die zornigen Dar- 
Tiaiva- Fürsten von herber Kraft. 

21. Diesen stärken Pfeilregen wehrte ich 
ab durch starken Pfeilregen, o König, 
der Kraft meiner Wissenschaft zuge- 
wendet. 

22. Und ich betäubte sie alle, in Wagen- 
gängen umherfahrend in der Schlacht, 



152 



•••«•••••••••• 



die betäubten Ddnawen warfen einan* 
cler zyi Boden. 
^ 23« Den so verwirrten, auf einander zu- 
laufenden verwundete ich mit flam- 
menden Geschofsen die Köpfe zu Hun- 
derten. 

24. Geschlagen zogen sich die Diti-Sohne 
zu ihrer Stadt zurück und erhoben 

\ sich in die Luft, mit der Stadt zu- 
gleich, ddnawischen Zauber bereitend* 

25. Ich aber, o JTuru- Spröfsling, dem Wej 
der Daitjas folgend, hemmte durch 
einen heftigen Pfeilregen ihren Gang* 

26. Jene luftwandelnde, himmlische, nach 
Wunsch gehende, Sonnenglanz ha- 
bende Stadt wird von den Z>iti* Söh- 
nen durch die Gewalt des Segens nach 
Lust gehalten. 

, 27« Bald sinkt sie unter die Erde, bald 
steigt sie in die Höhe, bald fliegt sie 
schnell sich schlängelnd, bald sinkt 
sie unter ins Wasser. 



153 

28. Diese mit AmardwaU (Jndras Stadt) 
vergleichbare , nach Wunsch gehende 
grofse Stadt, beschofs ich mit vielarti- 
gen Pfeilen, o Feindquäler. 

29. Dann schofs ich mit dem Pfeil -Netz, 
des himmlischen Bogens sich freuen*, 
dem, auf jene Stadt und die Diu" 
Söhne, o Fürst der Bharatiden! 

30. Und getroffen von den eisernen, vou 
mir geschleuderten, nicht fehlgehenden 
Pfeilen, fiel die ^ju/i^ti- Stadt, o Kö- 
nig, gebrochen zur Erde. 

31. Da schwärmten, von meinen eisernen, 
Donnerkeilsschnelle besitzenden Pfeilen 
verwundet ixeAsuren umher o König, 
die vom Yerhängnlls getriebenen. 

32. Hierauf stieg auch Mdtalis, schnell 
vorwärts nieder sinkend, auf die Erde 
herab eilig, mit dem Sonnenglanz ha- 
benden Wagen. 

33. Dann fuhren sechzigtausend Wagen 
jener zorjqigen, kampfgierigen umher, 
o BharaUde. 



154 



••••••••••••••• 



34. Auf diese scliofs ich mit spitzen gefie- 
derten Pfeilen; sie aber drehten sich 
im Kampfe wie Wogen des Meeres. 

35* ,, Nicht sind diese durch menschlichen 
Kampf zu besiegen!" dachte ich, und 
der Reihe nach schleuderte ich dann 
die himmlischen Pfeile. 

36. Meine himmlischen Pfeile durchbohr- 
ten nun, langsam gleichsam, jene Wa- 
gen -Tausende der geschickten Kämpfer. 

37* In mannigfaltigen Wagen -Gängen um- 
herfahrend, die starken, erschienen sie 
im Kampfe zu Hunderten und zu 
Tausenden. 
' 38. Mit mannigfaltigen Haupt-Binden und 
Kränzen geziert, mit mannigfaltigen 
Harnischen und Standarten, mit man- 
nigfaltigem Geschmeide, erfreuten sie 
mir gleichsam das Herz. 

39. Durch die vom Bogen geschleuderten*) . 



*) Ich übersetze nach einer Lesart prak'u'^ 
diiai oder pranuditai. 



155 

••••••••••••••• 

Pfeilgüsse konnte ich sie nicht ver- 
wunden im Kampfe, sie aber verwun- 
deten mich. 

40. Verwundet werdend von vielen waffen- 
kundigen geschickten Kämpfern, wurde 
ich bestürzt in der grofsen Schlacht, 
und es ergriff mich grofse Furcht. 

41. Hierauf, dem Gott der Götter Rudras 
mich beugend im Kampfe, ^nd „HeQ 
den Wesen!" so sprechend, schleuderte 
ich das grofse Geschofs, 

42. \yRaudra^^ so wird es genannt, das 
alle Feinde zerstörende. Hierauf sah 
ich einen dreiköpfigen neunäugigen 
Mann, 

43. dreimündigen, sechshändigen, strahlen- 
den , mit sonnengleichflammendem 
Haar, mit leckenden grofsen Schlan- 
gen bekränzt, o Feindschläger. 

44. Furchtlos brachte ich jenes grofse Ge- 
schofs, das schreckliche, Raudram das 
ewige, sehend, in Gdndiwas Berüh- 
rung, o Fürst der Bharatiden! 



'^ 156 

45* Und anbetend Siwas den dremagigeii 

von ungemeiner Kraft, schofs ich es 

ab zum Verderben der Dänawa- 

Fürsten. 
46. So wie es abgeschossen, waren da zu 

Tausenden Gestalten von AnteIo£«en, 

Löwen, Tigern, o Herr der fVais^ 

jas, 
47« "^on Bären, BüfTeln, Schlangen und 

Ochsen, von Sarabha's, Elephanten 

und AfTen zu Schaaren, 
48« von Stieren, 'Ebern und auch Katzen, 

von Schakalen, Dämonen und den 

Bhusuden allen, 
49« von Geiern, Garuden und auch Bie- 

« 

- . nen, von Bäumen, Bergen und auch 
Meeren, von Göttern, Weisen ujid den 
Gofidharwen allen, 

SO., von Pisätscherif Jakschen und den 
Qotterfeinden , von ^ Guhjaken, . im 
Kampfe, und von Nairriten auch, 

51. von Ruschen mit Elephanten -Mäülern^ 
und von Eulen, von Fisch- und 



157 



••«••••••••••• 



Pferd -gestaltigen Wesen, mancherlei 
Pfeile und Schwerdter in der Hand, 

52. So auch' von Jätudhdnen, Streitkolben 
u^d Keulen trägenden. Mit diesen 
und vielen anderen vielgestaltigen Ge- 
schöpfeji 

53. war die ganze Welt erfüllt, als jener 
Pfeil abgeschossen war; mit dreiköpfi- 
gen, vierzähnigen, vierhändigeo, > 

54. mit vielerlei Gestalten begabten, Fleisch, 
Mark und Knochen habenden Ge- 
schöpfen. Mehrmals verwimdet Cuiden 
die Ddnawen den Tod« 

55. Mit Sonnenglanz habenden, wie Blitze 
zischenden, eisernen, Feind -durchbohr- 
renden Pfeilen 

56. tödtete ich die Ddnawen alle in einem 
Augenblick, o Bharatide! Die von 
den £i;a/M&Va- Pfeilen getroffenen, tod- 
ten, aus der Luft gefsdlenen 

57* sehend, beugte ich mich wieder dem 
7Vi/7Uf»- Zerstörer Siwas, Aber Md-- 
taliSy als er die von dem Raudra^ 



158 

Pfeil durchbohrten, mit himmlischem 
Schmuck gezierten 

58. sah , empfand er grofses Entzücken , 
der Wagenlenker des Gottes. Diese 
unmögliche That, die seihst von Göt- 
tern schwer zu übende 

59. vollbracht sehend, ehrte mich MdtaÜs, 
, des Indras Wagenlenker, und sprach 

diese Rede, erfreut, mit gefalteten 
Händen: 

60U' Den Göttern und Asuren ist unmög- 
lich die That, welche von dir voll- 
bracht; selbst Indras der Götter-Herr 
vermag dies im Kampfe nicht zu thun. 

6\*> Denn diese von Göttern und Asuren 
unzerstörbare Stadt, die luftwandelnde, 
grofse, ist von dir zertrümmert, o 
Held, durch deiner Stärke und Bufse 
Gewalt. 



62« Als gefallen diese Stadt und die Dänawen 
' getödtet waren, stürzten schreiend die 
Frauen alle aus der Stadt hervor. 



159 

63. mit zerstreutem Haar, yoll Angst, wie 
aufgeschreckte Meeradler, fielen sie, 
Söhne, Yäter und Gatten beklagend, 
auf die Erde. 

64. Die jämmerllcih weinenden, bestürzten,' 
schreienden, deren Herrn getbdtet, 
zerschlugen sich die Brüste, gefallen 
waren ihre Blumenkränze und Juwe^ 
len, 

65* ^Die Kummer- erfüllte , unglückliche, 
Schmerz- und Web -geschlagene Dd^ 
mxwa-Stadt, mit zernichtetem Glani 
und zernichteten Herrn glänzte nicht 
mehr. 

66* Die einer Gandhai^wen-Sxz^Sx ähnlich 
war, glich einem See mit getödtelen 
Schlangen, einem Wald mit verdorr* 
ten Bäumen und war schrecklich an* 
zusehen* 

67« Mich aber den erfreuten fuhr nach 
yoUbrachter That MdtaUs schnell vom 
Schlachtfelde zu des Götterkönigs Pa- 
last. 



160 



•••••••••••••• 



68. Hiranjapura verlassen, und die grolsen 
Asuren zernichtet habend, und die 
Niwdtakawatsciieny nahte ich i^un dem 
Indras. 

69. Und meine That berichtete Mdtatis 
dem Götterfürsten ausführlich, alles 
wie es gewesen war, o Glanzreicher: 

70. Die Zerstörung von Hiranjapura, und 
der, Zauber Abwehrung, und der grofs- 
kräftigen Niwätakawatschen Ejrlegung 
im Kampfe. 

71« Dies hörend sprach der glückselige, 
erfreute , tausendäugigä Städtespalter, 
der von den Winden begleitete ent- 
zückt: „trefflich, trefflich!" so« 

72. Hierauf sprach zu mir, nachdem er 
mich aufgemimtert wieder und wieder, 
dier Götterfürst mit den Himmlischen 
zugleich diese sehr liebliche Rede: 

73. Übergöttlich -asurische That hast du 
vollbracht im Kampfe, und ein wich- 
tiges, grofses Geschäft erfüllt, meine 
Feinde schlagend. ^ 



161 

74» So muist du stets dich standhaft zei- 
gen im Kampfe, und unyerwirrt Ge« 
genwehr den Pfeilen bieten. 

75. Denn unwiderstehbar bist du im 
Kampfe, den Göttern, Ddnawen und 
Räksasen, den Jakschen, Asuren und 
Ckmdharwen, den Yögelschaaren und 
Schlangen. 

76. Die durch deiner Arme Gewalt er- 
oberte Erde, o Kuntide, wird der 
Kwai - Sohn Judfuschthiras beherr- 
schen. 

Elfter Gesang. 



1. Dann sprach zu mir, dem vertrauen- 
den, muthigen, pfeilyerwundeten, zur 
Zeit, der Götter-König, entlassend, 
diese Rede: 

2. Die himmlischen Waffen alle sind in 
deinem Besitze, o Bharaüde; nicht ist 
irgend ein Mensch auf der Erde dich 
zu besiegen fähig. 

L 



162 

•••••••••••••r 

3. Bhischmas, Dronas, Kripcu, Kamas 
uad Sakuriis mit den Königen sind 
nicht werth den sechzehnten Theil 
von dir, dem kämpfenden. 



4. Und diesen Harnisch gab mir Indrasy 
der Erhabene, den undurchdringlichen, 
himmlischen, und einen goldgezierten 
Blumenkranz. 

5. Und Dewadatta die Muschel gab er 
ferner mir, die lautschallende, und 
dies himmlische Diadem band mir /n- 
dras selber auf. 

6. Femer gab er mir himmlische Gewän- 
der und himmlische Juwelen, glän- 
zende und grofse. 

7* So geehrt wohnte ich vergnügt da- 
selbst, o Fürst, in Indras hehrem 
Palast, mit den Gandharwen-TLiüdsxn 

8. Dann sprach zu mir Indras^ erfreut, 
mit den Unsterblichen: ,,Es ist Zeit, 
Ardschunas, zur Rückkehr, denn die 
Bruder gedenken deiner." 



163 



• ••••«•••••••• 



9. So habe ich in Indras Palast fünf 
Jahre, 6 Bharatide, zugebracht, K5* 
nig! gedenkend der Spiel - erzeugten 
Noth. 
10. Dann sah ich dich, den von den Brü- 
dern umgebenen, auf des Ber^ Gan" 
dhamddana Gipfel. > 



r 
> 



S 



\ 1 



t